Dienstag, Juni 05, 2007

Mythos Offroader

In der libertären Gesellschaft soll (darf?) jeder so können, wie er mag (muß?). So versteht sich auch der Beitrag "Geld oder Leben" auf der Achse (des Guten) vom Gast (Autor) Prof. Dr. Beda M. Stadler. Sehr schön faßt er seinen Artikel eingangs zusammen: "Wer Offroader fährt, schützt das Leben seiner Kinder. Kritik daran ist nichts als Neid." Und damit ist eigentlich alles gesagt.

Pusteblume:
Damit hat sie einen Punkt, denn die SUV symbolisieren ein physikalisches Prinzip. Ihre grosse Masse gewinnt als Trägheitsprinzip gegen einen kleinen Blechhaufen. Im Inneren des grösseren Blechhaufens sind die Passagiere sicherer als in der Sardinenbüchse.
Wettrüsten auf der Straße, die größte Menge Metall gewinnt. Und das ist auch richtig - aber ist es auch richtig so?

Die Insassen eines größeren Autos sind in der Tat besser geschützt, falls es zum Unfall kommt.
In der Schweiz müssen in diesem Konflikt die kleinen Kinder herhalten. Man behauptet, sie seien besonders gefährdet, weil sie vom SUV auf der Höhe der Brust erwischt werden. Anders als bei einem kleinen Auto, das Kinder nur auf Beinhöhe anfährt. Dieser makabren Logik muss man erst einmal folgen können. Tatsache bleibt, in grossen Autos sind die Passagiere sicherer.
Dieser "makabren Logik" (die keine ist, sondern nur eine Feststellung) sollte man folgen können. Es dürfte als bekannt vorausgesetzt werden, daß für Fußgänger die Überlebenschancen größer sind, wenn ihr Körper im Falle eines Vollkontakts mit dem gegnerischen Fahrzeug (angesichts der Aufrüstrhetorik oben hätte ich auch "feindliches" schreiben können) eine Ausweichmöglichkeit hat. Bei Geländefahrzeugen kommt man unweigerlich unter die Räder - keine angenehme Vorstellung, das. Da spielt in der Tat der Neid eine gewisse Rolle, denn wer würde nicht gerne ebenfalls im Straßenverkehr eine Zero-Tolerance-Politik fahren?

Das Benzinsparen hat zu kleineren Autos geführt - und zu mehr Todesfällen beim Crash. Eine Studie der Universität Harvard schätzt, dass in Amerika 2200 bis 3900 weniger Todesopfer pro Jahr zu beklagen wären, würden die Leute wieder grössere Autos fahren. Die Vision Zero des Bundes, ein Strassenverkehr ohne Tote und Schwerverletzte, kommt auch ins Dilemma. Wird die Masse der Autos auf das Niveau eines Fahrrads verringert, entstehen beim Aufprall Schäden, wie wir sie von den Motorrädern kennen.
Die Studie würde mich interessieren. Wer waren die Auftraggeber? Wurde das Plus an Todesopfern unter den Fußgängern in diese Rechnung einbezogen? Theorie: Ford, und nein.
Motorräder, nebenbei bemerkt, sind nicht deswegen für ihre Benutzer unsicherer als Autos, weil sie so leicht sind, sondern weil es (fast) keine Sicherheitsmechanismen wie Gurt oder Knautschzone gibt. Aber netter Versuch.

Der Benzinverbrauch war bis anhin kein Argument für automobile Sicherheit. Vom Gurt bis zu Airbags wurde dazugepackt, um Leben zu retten.
Hier verrät sich der Professor Doktor. Denn wenn wirklich Neid die Geländewagengegner umtreiben würde, müßte sich dieser Neid in ähnlichem Maße gegen Autos mit vier Airbags, ABS und anderen Sicherheitsschnickschnack richten, den sich bei weitem auch nicht jeder leisten kann.

Verdammt man also die SUV aufgrund ihrer Gefährlichkeit, zählt das Sicherheitsargument im und rund um den Offroader. Denkt ein Autolenker bei «Gib Kindern keine Chance!» an die eigenen Kinder und ist der Mutter- oder Vater-Instinkt stärker als das Umweltgewissen, dann müsste er eigentlich SUV [Sport-Utility-Vehicle] fahren, um seine Kinder nicht in einem Veloanhänger dem Verkehr auszusetzen.
Nein, er müßte Panzer fahren. Mit geladener Kanone - sicher ist sicher.

Noch mal zum Mitschreiben: du kannst im Monat mehr Geld für Sicherheit(en) ausgeben, als andere Leute im Jahr verdienen. Völlig egal, deine Sache, weitermachen. Der Spaß hört auf, wenn die Sicherheit mit der Unsicherheit anderer erkauft wird. "Ich walz dich platt, damit mein Kind keinen Kratzer abbekommt"? Tolles Argument.

Kommentare:

  1. da sach' ich mal: 9. diese adg geht mir nämlich in der letzten zeit ziemlich auf den keks, da dort inzwischen fast nur noch geistige tiefflieger tieffliegen, deren thema ausschließlich der gutmenschenumweltterror ist, als deren opfer sie sich darzustellen versuchen.

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  2. Wo du nur immer diesen Unsinn auftreibst... Für diesen Einblick in die Sinnbefreitheit Schweizer Immunologen 9 Punkte.

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  3. Bashing, wie es sein muß! Und auch hier ist wieder eine Statistik involviert - ich sag nur, die beweisen einfach gar nichts! Aber lassen wir das.

    Kommen wir nun zum erfreulichen Teil, die Punkte: 8 Punkte!

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  4. Hui, da wird es natürlich schwer für mich. Ich hasse SUV, bin aber selber ein grosser Freund von Kindertötern aka CowCatchern. Allerdings weniger wegen der Sicherheit als viel mehr aus Coolness Gründen. Dennoch, mal was völlig anderes, nett geschrieben und fast meine Meinung. Neuer Punktestandrekord und das bei dem Thema. Wär hätte es gedacht. 9 Punkte

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  5. SUVs und ihre Fahrer waren eigentlich als Schnurrbartträger des Monats April vorgesehen, das Unterfangen scheiterte jedoch an meiner mangelnden Inspiration, also für diesen mehr als fälligen Bash 9 oder 10, also 10.

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