Freitag, Juni 30, 2006

Iä! Iä! Shub-Jürgen-Klinsmann!

Wahrlich, die Letzten Tage scheinen angebrochen! Finstre Magie beherrscht die Welt, oder ist es anders zu erklären, wie der Watschenaugust der Nation ("Schwabenschwuchtel") zur yog-sothotherischen Gottheit emporsteigen konnte?

Iä! Iä! Shub-Jürgen-Klinsmann!
Die blonde Klöte mit den elf Dödeln!


So hat das Elend, genannt "deutscher Fußball", immer noch kein Ende. Und das ist auch gut so, könnte sich ansonsten der urdeutsche Pöbel derart offenkundig auf die Straße trauen? Fahrt los, wenn ihr hupen könnt.

Alles halb so wild, halb so wild. Verdient war es ja, dieses 1:1. Das arischere Team konnte in der ersten Halbzeit zwar nur durch Unkoordination begeistern, schaffte es in der zweiten Halbzeit aber immerhin ab und an bis zur Torchance (die beste nutzte TKKG-Klose, um den argentinischen Keeper prophylaktisch, für den Fall eines Elfmeterschießens, vom Platz zu bolzen).

Der unbestreitbar glückliche Sieg (denn könnte ein gewonnenes Elfmeterschießen etwas anderes als glücklich sein?) geht letztenendes in Ordnung, wäre da nicht: die toitschen Fanprolls. Beispiele gefällig?

a) In Ermangelung von leeren Kneipen wagten wir uns bis raus zum Aachener Katschhof. Dieser war nicht nur umringt von Zäunen und Security (sehr apart), welche die Schlange der Nichthereingelassenen bis zum Markt anwachsen ließ - begrüßt wurden wir zudem von grenzdebilem "Doitschlaaaand, Doitschlaaand"-Gegröhle. Warum klingen derartige National-"Gesänge" auf Deutsch immer wie die Androhung von Prügeln?

b) Im Kapuziner-Karree war zwar nix vom Spiel, dafür umso mehr von den Fääns zu sehen. Teils sogar so, daß die Hintensitzenden dank einer einzelnen geschwänkten Deutschlandfahne noch weniger sahen als die eigentlich üblichen hellgrauen Umrisse. Ganz vorbei war's, als sich drei Fußballschauende auf dem rechten Flügel erdreisteten, Argentinien-Fahnen zu schwenken - prompt war der Hof erfüllt von Pfiffen und Buh-Rufen. Eben: die Welt zu Gast bei "Freunden".

c) Als dann gegen Ende der ersten Halbzeit das allseits beliebte "Steht auf, wenn ihr Deutsche seid", angestimmt wurde, und tatsächlich knapp die Hälfte der anwesenden Lappen und Vollschwachmaten sich von den zugegeben nicht allzu bequemen Klappstühlen erhob, mußte, wer noch wenigstens eine Tasse im Schrank hatte, die logische Konsequenz ziehen: wir standen auf wie geheißen, und verließen

Im Meisenfrei, wo wir die zweite Halbzeit begutachten durften, war's dann einigermaßen erträglich, und "unsere" elf mit Wasabi angereicherten Kichererbsen sorgten für allgemeines Vergnügen - bis sie dann tatsächlich im Elfmeterschießen gewannen, wo ihnen vor Freude die Eier aus der Hose fielen (siehe Bild rechts). Ein wenig Stimmung kam erst wieder auf, als Olivia Bierhoff sich erdreistete, im kleinen Schwarzen das Feld zu betreten, was das argentinische Team nicht so ohne weiteres durchgehen lassen wollte. Leider ist Argentinien nicht Holland, und so blieb es am Ende bei halbherzigem Herumgeschubse.

Die deutsche Mannschaft / die Deutschen sind jedenfalls weiter. Ob des vorherigen Geschwafels über die arische Unbesiegbarkeit hätte man glauben können, daß das deutsche Selbstbewußtsein nach einem Elfmeterschienen und einem alles andere als eindeutigem Spielverlauf vielleicht lieber zuhause bleiben würde. Aber da haben wir wohl das neue deutsche Selbstbewußtsein unterschätzt. Wir, und die Bundesregierung. Denn sonst wäre die Mehrwertsteuer wohl auf 25 Prozent angehoben worden, und nicht nur auf lächerliche, vorrundige 19.

Dienstag, Juni 27, 2006

Heiko

So laß' die Arbeit ruhn.
Morgen ist es dann besser
garnicht aufzustehn.

Montag, Juni 26, 2006

Wir sind raus!

Nun halte ich mich von dieser Wehemm geflissentlich weitestmöglich entfernt, wenn nicht gerade "wir" (Niederlande) spielen. Gestern, gegen Portugal, war's - mal vom Ergebnis abgesehen - ein 1a-Eishockey-Vergnügen. Immer feste druff.

Impressionen vom und ums Spiel:
Zu Beginn waren alle Zuschauenden noch frohen Mutes - diese humorlosen Spanier, die noch nicht mal richtig Spanisch sprechen können, sollten doch rauszukicken sein. Also hoch das Billigbier und angeschnallt. Das kann, nein: das muss ja heiter werden.
Die Nerven lagen bald blank - auf dem Feld wie vor der Glotze. Es ist gar nicht so leicht, Drohgebärden derart energisch zum besten zu geben, daß selbst die 22 Fußballpixel diese auch gebührend zur Kenntnis nehmen. Trotz aller Anstrengungen gelang es uns nicht, die portuganelischen Kacker, Entschuldigung: Kucker, mit heftigen Lufthieben zu Boden zu bringen. Da waren ihre niederländischen Pendants schon kooperativer, und besorgten die Arbeit für uns. Danke.
Eins zu Null für "Portugal" - huh? Und wo liegt das überhaupt? Dürfen Phantasienationen auch mitkicken? Halte ich persönlich für doof, aber so ist sie halt, unsere, respektive eure FIFA: doof, wenn nicht gar dumm. Alle Zuschauenden werden zum Hulk, und das zu Recht.
Das Spiel neigt sich dem Ende, und wir winken und flüstern zum Abschied leise "Servus". Wir erfahren, daß die Ziele des niederländischen Teams höher gesteckt sind, als diese lächerliche Kraut-WM. Schließlich wollen sie in zwei Jahren Europameister werden. Zum Glück darf Portugal da nicht mitmachen, denn die EM ist eine ernste Sache, und völlig phantasiebefreit.
Das Spiel ist aus, AUS, AAAAUUUUUUUUUUUUUS. Die Niederlande sind Weltmeister! Weltmeister der Schmerzen, immerhin. Auf dem Feld mit ge-, und vor dem TV mit betretener Miene gehen alle Beteiligten kurz in sich, und alle, alle sind sich sicher: es gibt keinen Gott.

Sonntag, Juni 25, 2006

Wir sind im Viertelfinale!

Geschafft! Dank eines Freistoßes von David "Batze" Beckham ziehen "wir" (England) ins Viertelfinale der Fußballweltmeisterschaft der volljährigen Männer.

Ein paar Impressionen zum Spiel:
RTL: "Beckham... was für ein Captain... er humpelt auch schon..."
Google: "Ecuador 0. Großbritannien 1."
Apu: "Zwei vierzig."
Passant in Sporthose: "Wenn meine Frau nach Hause kommt, die kann was erleben."
Passant mit Hund: "Was, schon wieder WM?"

Sushi für Unerfahrene

Gestern wieder viel über Sushi gelernt. Zum Beispiel, daß es sehr wohl einen Unterschied macht, wie viel man anfertigt. Aber der Reihe nach.

Dank Thaden steht mir wieder eine Digitalkamera zur Verfügung, also nutzte ich die Gelegenheit und dokumentierte mein Vorgehen, insbesondere, da es stellenweise sehr unklassisch war.

Die Grundlage von Sushi ist bekanntlich der Reis, und jenem muß besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Das bedeutet zunächst einmal: waschen, waschen, waschen, bis das Wasser klar abläuft. Dann wird der Reis gekocht, normalerweise mit Seetang - einem Nori-Blatt, welches später auch zum Wickeln der Maki-Sushi (die bekannte gerollte Variante) benutzt wird. Habe allerdings früher die Erfahrung gemacht, daß Nori beim Kochen zerfasert, und eigentlich soll das Blatt zur Gänze wieder entfernt werden können. Was also tun?
Habe einfach in einem Topf mit Wasser etwas Nori aufgekocht und dann weitestgehend entfernt, bevor ich den Reis hinzugegeben habe.
Nachdem der Reis fertig gekocht ist und etwas abkühlt, wird die Gewürzmischung, bestehend aus Reisessig (ca.3 Eßlöffel pro Tasse Reis), Salz (ca. 1 Löffel pro 3 Tassen) und Zucker (ca. 2 Löffel pro Tasse) (und eventuell süßem Reiswein - hatte ich aber nicht am Start), zubereitet, und dann unter den Reis gemischt.
In unseren größten Topf passen ungefähr drei Tassen Reis - viel zu wenig für diesen Nichtanlaß, wo insgesamt sechs Leute verköstigt werden sollen. Also mußte noch ein zweiter Topf (zwei Tassen Reis), erneut mit waschen, waschen, waschen etc., bereitet werden. Summa summarum also fünf Tassen Reis - persönlicher Rekord!
Den fertigen Reis kann man ruhig eine Weile stehen lassen, wenn man ihn mit einem feuchten Tuch abgedeckt. Also weiter.

Alle Zutaten werden vorbereitet. Hier zu sehen: Surimi (Krebsfleischimitat), Salatgurke, Avocado, Tofu, Sesam, Wasabi, Salat (für eine spezielle Variante; dazu später mehr) - der Fisch wird erst aus dem Kühlschrank geholt und geschnitten, wenn er an der Reihe ist, d.h. möglichst kurz vorm Servieren. Nicht im Bild: eine Schüssel mit Wasser und etwas Essig - da der Reis auch an Fingern klebt, kann man sich damit von diesem Reis befreien. Auch nicht im Bild: das Tamago. Zur Herstellung dieses Omeletts wird eigentlich eine quadratische Pfanne benötigt, denn das Ei wird schon beim Braten zusammengefaltet. Mußte also erneut improvisieren.

Für Maki: ein halbes Nori-Blatt auf die Bambusrolle legen, auf die untere Hälfte Reis und Zutaten legen, dann wie eine Selbstgedrehte rollen. In sechs gleich große Teile spalten. Fertig.
Für Nigiri (Reis plus Belag obenauf): eine kleine Kugel Reis in Form bringen, etwas Wasabi-Paste darauf (als "Kleber", für den Geschmack, und zur weitergehenden Desinfektion von Fisch). Bei Bedarf mit einem Streifen Nori zusammenbinden. Fertig.
Und dann war da noch eine andere Sushi-Variante, die auf dem folgenden Bild Mitte-Rechts zu sehen ist, für die ich den Salat verwendet habe (nebst Reis, Avocado und Garnelen).

Hier das fertige Machwerk. Der komplette frische Fisch - Thunfisch und Lachs - wurde für Nigiri verwendet. Ansonsten gab es noch Tamago-Nigiri. Maki-Sushi war entweder vegetarisch (verschiedene Kompositionen aus Gurke, Avocado, Tamago und Tofu) oder mit Surimi.
Da uns langsam die Teller ausgegangen waren, wurde die Speisung noch unkonventioneller als die Herstellung: der eingelegte Ingwer konnte nur noch auf zwei kleine Untertassen verteilt werden, für die Sojasauce standen auch nur zwei Schüsselchen zur Verfügung , und eigene Teller oder Brettchen hatte dann sowieso niemand mehr. War aber trotzdem ganz ok - und die Menge war perfekt abgepaßt, es blieben nur 4 oder 5 Maki-Sushi übrig.

Freitag, Juni 23, 2006

Echs-Män

Was mir nun erst einfällt: das lange überfällige, weil hier eingeforderte Review des letzten X-Men-Streifen aus den wunden Fingern fließen zu lassen.

Kurz und knapp: oben verwendetes Adjektiv ist wörtlich zu nehmen - von allen SuperheldInnen-Verfilmungen der letzten Jahre ist's eine der miesesten. Unzureichender waren höchstens Catwoman und Daredevil.

Klar: die Tricks waren nett, und es gab mehr Muties als you could throw a stick at. Eye-Candy nennt man das. Doch X-Men? Naaaah.

Waren schon Teil 1 und 2 weder sonderlich guten Umsetzungen, noch überzeugend strukturierte Filme, so schießt der 3. den Sentinel ab:

Cyclops stirbt völlig emotionsbefreit und sinnlos. Professor X stirbt aus einem einzigen Grund: damit in Teil 4 ein anderer Schauspieler den Part übernehmen kann, wenn Patrick Stewart das Handtuch schmeißt. Die Dark-Phoenix-Saga wurde bis zur Unkenntlich- und Überflüssigkeit verhunzt (f*cking Wolverine tötet Jean Grey? Urgh. Jean Grey als "Übermutantin"? WTF.). Die Charakterisierung der Hauptpersonen ist noch brüchiger als in den vorangegangenen Filmen (von Phoenix mal ganz zu schweigen: ein Magneto, der Mutanten als Kanonenfutter benutzt... huh?). Und und und - nicht der Rede wert.

Das Zielpublikum - im Falle der X-Men, konträr zu den überzeugenden bis großartigen Vertretern des Genres (Spider-Man 1+2, Batman), nicht die LeserInnen der Comics (bis auf jene unglücklichen Gestalten, die schon unglaublich dankbar sind, daß Wolverine tatsächlich so aussehen könnte wie Hugh Jackman) - wird trotzdem, respektive: gerade deshalb, bedient. Story und Kostüme (in diesem Fall von "Charaktern" zu reden wäre übertrieben) sind schön düster; viel mehr braucht's nicht.

In drei Worten: Style over substance. War eigentlich zu erwarten, aber nicht in dieser Brutalität. Kurzweilige Unterhaltung mag es schon sein - aber, unter uns, eine adäquatere Comic-Adapation ist selbst Fantastic Four. Vor die Wahl gestehlt bevorzuge ich letztgenannten Film, albern wie er war, jederzeit den charakterbefreiten X-Men.

Und wehe, ich höre Widerworte. Sonst gibt's an dieser Stelle bald was über die Vorzüge des Fantastic Four-Films zu lesen. Und das ist keine leere Drohung.

Donnerstag, Juni 22, 2006

Sexx-ey

Gerade kurz auf MTV hängengeblieben (auf der Show, bei welcher Protopromis zuhause belästigt werden): ein mir unbekannter Typ mit Iron Maiden-Shirt und Koteletten, die Wolverine mit Angst und Schrecken erfüllen würden, führt durch seine gänzlich propere Villa (kennste eine Neureichenvilla, kennste alle - und mag der Typ auch zehnmal wie ein Kinderschänder und GEZ-Hinterzieher aussehen). Dann, mir bluten immer noch die Augen:

Ein Bild von David Hasselhoff an der Wand, diesem hier nicht unähnlich.

Duuude! Das ist grooooßartig! Weil: darum, darum und darum. Und, last but certainly not least, darum.

Nur: in die Wohnung hängen würde ich mir den deshalb noch lange nicht. Mir reicht, daß es ihn gibt (weit, weit weg).

Jaahmes Kiirkh

Matt Damon als James T. Kirk im cineastischen Star Trek-Relaunch? Trekkies wird's freuen oder auch nicht, und auch, daß Spock dabei ist oder auch nicht, gespielt von Ben Affleck oder auch nicht. Hier und hier steht mehr.

Kriege, Naturkastastrophen, Hungersnöte, Damon und Affleck auf der USS Enterprise - ins 21. Jahrhundert würde es schon passen.

Montag, Juni 19, 2006

Ist's so?

Was nicht alles passieren kann, während unsereins nach Italien und back fährt. So ist nun offenkundig und angeblich die Katze aus dem Sack, respektive der Thunfisch vom Kutter: Sushi schmeckt wie Leberwurst.

Diese Wahrheit ist proudly presented by Götz Alsmann, als Zimmer frei diese Woche eine reiche Göre (Simone Thomalla, Verlobte von Schalke-Assi Rudi Assauer) zu Gast hatte, der prompt frisch zubereitetes Sushi kredenzt wurde, welches die leidende Zimmer-frei-Moderation, Götzibaby und Christine Westermann, auch noch mitessen muste. Oh, the humanity!

Nun war sich Simone Thomalla wohl nicht zu blöde zu erzählen, wie Assauer sie für sich gewinnen konnte: spät in der Nacht alleine mit dem Unsympathen auf einem Hotelzimmer verlangte es der Irrsinnigen nach Sushi. Assauer, kein Gramm cleverer, tat wie ihm geheißen, und 30 Minuten später wurde den beiden Liebestrunkenen frischer Fisch mit Reis gereicht. Frischer Fisch, mitten in der Nacht? Wer kommt denn auf sowas? Nicht die Thomalla, die prompt die nächste Zeit über der Kloschüssel verbrachte.

Doch ich schweife ab. Götzibaby jedenfalls wirft oder warf oder worf Metaphern durcheinander. Mitnichten schmeckt Sushi wie Leberwurst. Vielmehr riecht Leberwurst wie Hundefutter.

Dies zu sagen würde sich Alsmann aber nie trauen, handelt es sich bei Leberwurst doch um den zweitdeutschesten aller Brotaufstriche und -belage. Sich über undeutsche Speisen lustig zu machen gilt hingegen als chic. Oder war's als Kompliment gemeint?

Samstag, Juni 17, 2006

Kurzurlaub

Gleich um 15.43h geht's Richtung Italien. Bus bis Bahnhof, Fahrt bis Köln, dann nach zweimaligem Umsteigen Ankunft in Riccione um 8h am Sonntag.

Und das beste: es dauert nicht lang. Zusammen mit meinem Vater holen wir seinen Bruder / meinen Onkel ab. Erhoffte Ankunft in Aachen: Sonntag, 23h. Oder es läuft nicht alles nach Plan, dann wird's Montag, Dienstag, Mittwoch...

Ich weiß noch nicht einmal genau, was los ist. Mein Onkel ißt angeblich seit mehreren Tagen nichts mehr, und spricht auch mit niemandem. Uh. Was freu' ich mich auf die Rückfahrt...

Firefly, "The Train Job", Teil 6

Freitag, Juni 16, 2006

1.039.282.846

Laut Internet Death Clock werde ich am Dienstag, den 24. Mai 2039 sterben. Noch ca. 1.039.282.796 Sekunden.

Optimistisch betrachtet bliebe mir aber noch bis 2060. Pessimistisch bis 2019. Für Leute, die mich kennen: vice versa.

Noch 1.039.282.669 Sekunden. Das geht.

Donnerstag, Juni 15, 2006

Psychology 101

Poker ist bekanntlich kein Glücksspiel, sondern pure Psychologie. Ein Beispiel:

Da wir keine Profi-PokerspielerInnen sind, können Fehler passieren. Wie auch anläßlich der Spontanrunde gestern, wo einer der Beteiligten ab und wieder seine Entscheidung revidierte, auszusteigen. Zwei unterschiedliche Situationen waren denkbar:

A) er gibt bekannt, daß er aussteigt, bringt dann aber doch noch den Einsatz, bevor die SpielerInnen nach ihm ihre Entscheidungen (mitgehen, erhöhen, aussteigen) bekannt geben.
B) siehe A, aber er ändert seine Entscheidung erst, nachdem die anderen gehandelt haben.

A geht für mich völlig in Ordnung, B hingegen aus eigentlich nachvollziehbaren Gründen nicht. Soweit das Szenario, nun das Musterbeispiel der angewandten Psychologie:

Fall 1: Habe ein gutes Blatt auf der Hand - einen Flush - und unser Problemspieler zieht Situation B ab. Ich weise ihn darauf hin, daß er nun draußen ist, und nicht mehr rein kann. Alles kein Problem, sieht er ein. Leider verliere ich das Spiel denkbar brutal gegen ein Full House. War unwahrscheinlich, kann aber passieren, aber gerechnet habe ich nicht damit. Egal, weiter.

Fall 2: Einige Spiele später finde ich erneut einen Flush. Unser Problemspieler versucht sich an Situation A. Wir einigen uns darauf, daß das zwar nicht schön anzusehen ist, aber doch noch ein Wiedereinstieg möglich ist, schließlich hat sich an der Rundensituation vor und nach dem Ein- und Ausstieg nichts geändert. Er macht mit, und verliert letztenendes gegen meinen Flush, den ich nun ausnahmsweise nach Hause bringe.

Da erklärt er mir, daß man mir an meiner Reaktion ("Klar, steig wieder ein."), meiner Stimmlage und Körpersprache angemerkt habe, daß ich ein klasse Blatt auf der Hand habe. Ich verweise auf Fall 1, wo es für mich nicht ok war, daß er wieder einsteigt, und darauf meint er: Eben, da wäre mein Auftreten auch drastisch anders gewesen, eben weil ich verloren habe, und das hätte er dann schon vorher gemerkt. Es wäre klar gewesen, daß mein Blatt bei Fall 1 nicht ausgereicht hätte, um zu gewinnen.

Schade nur, daß ich auch bei Fall 1 davon ausgegangen bin, daß ich das Spiel gewinne. Vermutlich unterscheidet dieses psychologische Expertenwissen Profis von Amateuren: wenn man in der Lage ist, seineN GegnerIn besser zu verstehen, als dieseR sich selbst.

Dienstag, Juni 13, 2006

You are deleted.

An der Ampel, auf der anderen Straßenseite: Typ mit Pferdeschwanz, Hals dicker als der Kopf, und Tattoos bis zum Handgelenk - Marke Tough Bitch. Akzentuiert wurde die gesamte Erscheinung durch das schwarze T-Shirt, auf dem das Punisher-Logo prangte.

Kaum war das letzte Auto vorbeigerauscht, ging der Henry Rollins für Kinderschänder bei Rot rüber. Total OOC - der "echte" Punisher hat für sowas schon Leute erschossen.

Firefly, "The Train Job", Teil 5

Freitag, Juni 09, 2006

Weh-Emm-Aufftackt

17:57 - Freie Bahn zur Lidl-Kasse. Ungehindert reingesemmelt.
18:12 - Hui-Buh im Erdgeschoss.
18:17 - Erneut Hui-Buh.
18:32 - Beginne damit, Paella zu machen.
18:36 - Immer noch keine Menschenrechtsverletzung in Costa Rica.
18:45 - In China fällt ein Sack Reis um.

Firefly, "The Train Job", Teil 4

Donnerstag, Juni 08, 2006

Colonia Split-Single

Gestern in der hippen Großstadt um die Ecke: SchülerInneninterview. Armer Typ auf Fahrrad wurde geschnappt und bösestens befragt.

Schülerin: "What religion do you identify with?" (o.ä. Schnapsfrage)
Typ mit Fahrrad: "I have no religion. I'm a human being..."

Kann gut sein, daß der Fahrradtyp noch was hintangestellt hat - keine Ahnung, ich war zu flott außer Hörweite. Wäre jedenfalls nett, wenn nicht.

Freitag, Juni 02, 2006

Brotfetisch

Neulich, also gerade eben, kurz vor 20h, beim unfreundlichen Monarchistenzwergsupermarkt um die Ecke: vor mir im Gang ein Yuppie-Pärchen, Marke jung, erfolgreich, strunzdumm.

Die beiden stehen da, wo ich ran will: ans Brot. Sehr zur Freude der Bäckerei-Innung gibt's dort frisches Brot zum Backfactoryprize, äh -preis. Sehr zu empfehlen, weil besonders magenschonend: das Zwiebelbrot. Und genau jenes hat es diesen Schnöseln angetan.

Sie: "Ist das denn frisch?"

Na klar, du Lappen, schließlich wird das Brot erst wenige Sekunden vor Ladenschluß in die Auslage gelegt... Man fragt sich schon, wo sie ansonsten noch Brot herbekommen will - von der Tankstelle?

Er, ahnungslos guckend: "Weiß nicht."

Mit der Antwort hatte sie wohl gerechnet, denn die Antwort folgte auf dem Fuße: "Wir können ja mal testen."

Und prompt demonstriert sie, was sie in der Kronenbrotreklame gelernt hat: das ahnungslose Zwiebelbrot wird deftig geknufft, um die Konsistenz, also die Frische, zu testen. Was die wandelnde Modebotique leider nicht bedacht hat, oder es war ihr einfach egal: in der Werbung ist das Brot durch Plastikfolie geschützt, hier jedoch lag es nackend in der Auslage.

Da der Test negativ ausfiel, war ihr Appetit auf Zwiebelbrot wohl vergangen, und kein anderes Brot konnte ihre Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Schade, daß so viele Brote den Feierabend unbefriedigt begehen müssen.

Ich für meinen Teil griff mir mit flinken Händen das zweite, noch unberührte Zwiebelbrot, hatte aber noch eine Bitte: ob sie, die Brotexpertin, nicht auch dieses Brot auf Frische testen möge, sicher ist sicher.

Firefly, "The Train Job", Teil 2