Sonntag, Juni 03, 2007

Blaues Wunder? - Nachtritt

Fortsetzung vom letzten Beitrag, in Anbetracht eines Kommentars auf Spiegel Online von Reinhard Mohr namens Biedermänner und Brandstifter - Wie politische Naivität den Gewalttätern hilft. Und was schreibt uns der Mohr ins Gästebuch?
Bei dem supercoolen Protest-Event mit Open-Air-Konzert störte am Schluss eigentlich nur noch die Regierung, die selbstverständlich für alles Böse verantwortlich gemacht wird: den G-8-Gipfel selbst, den Zaun, die Sicherheitszone, die Razzia, die Geruchsproben, die Kontrollen, die vielen Polizisten.
In Wahrheit war es natürlich Christian Ströbele, der die Sicherheitszone errichtet hatte, um sich anschließend vor selbiger ablichten zu lassen (die Geruchsproben jedoch waren ganz ganz sicher nicht seine Idee). Der Zaun stammt vermutlich von den Israelis, da sind sich Spiegelautor und Protestierende vielleicht einig. "Die Regierung" jedenfalls war es nicht, so viel steht fest:
Nun kann man mit guten Argumenten über Angemessenheit und Rechtsgrundlage jener Razzia der Bundesanwaltschaft streiten, bei der jüngst vierzig Wohnungen und Büros "autonomer" Gruppen durchsucht wurden; man kann auch "Geruchsproben" für instinktlos und den riesigen Sicherheitsaufwand für übertrieben oder sogar irre halten - ganz grundlos war das alles offensichtlich nicht.
Übersetzung: wo gehobelt wird, fallen Späne. Auf die Idee, daß eine übertriebene und vorauseilende Kriminalisierung nicht dazu beiträgt, Proteste in friedliche Bahnen zu lenken, kam der Autor offenbar nicht. Dabei war das schon immer so, und wir wohl auch immer so sein. Gewaltspirale schimpft sich das.

Jedoch, hüben wie drüben sind klare Schuldzuweisungen gefragt:
Im Übrigen eine deutsche Tradition: Über den Wassern schwebt der hehre Geist des Guten, während drunten (oder hinten) die Völker hässlich aufeinander schlagen. Im Zweifel bleibt der Geist rein, nur die Wirklichkeit will sich leider nicht nach ihm richten und macht Schmutz. Ein Wolkenkuckucksheim des guten Gewissens. Und ein geschichtsloses dazu.
Sprach der Spiegelredakteur aus dem Wolkenkuckucksheim der rechtschaffenden Bourgeoisie.

Wer Bush, Blair, Prodi, Sarkozy, Merkel & Co. bloß für "Gangster" und "Verbrecher" oder reine Funktionsträger eines mörderischen Systems hält, wird kaum inhaltliche Forderungen an sie stellen. Wer dies aber tun will, muss sie erstmal tagen lassen, als demokratisch gewählte Repräsentanten ihrer Völker.
Merke: selbst wenn die Demo trotz allem friedlich verlaufen wäre, sie hätte noch gar nicht stattfinden sollen - erst mal abwarten, was die Vertretung von Völkers Gnaden betagt haben. Nur weil "die Regierung" nicht in der Lage ist, aus vergangenen Gipfelprotesten zu lernen, hat die "Gegenseite" auch nicht aus vergangenen Gipfelergebnissen zu lernen? Doch weiter im Text:
Das [der unverständliche Hinweis auf gebotene Zurückhaltung weil gewählte Vertretungen; Anm. d. Übersetzers] ist eigentlich ganz einfach zu verstehen. Aber längst hat sich die "Gipfel-Dramaturgie" 2007 verselbstständigt, wozu die Massenmedien nicht wenig beitragen. Seit Wochen liegt ein fast hysterisches "High-Noon"-Gefühl in der Luft, und die Erwartungen, gute wie böse, werden im Tages-, ja Stundenrhythmus auf der nach oben offenen G-8-Skala weiter gedreht.
Und wer dreht mit? Der Reinhard Mohr vom Spiegel. Denn der betreibt ebenfalls eine Schwarz-Weiß-Malerei, nur eben negativ zu den Gipfelgegnern.

Ein Hoch den einfachen Antworten. Wem's gefällt.


P.S: "Dank" an diesen Kommentar aus dem Fuchsbau:
Hallo Gideon! Wir brauchen mehr gute Beiträge von Dir und anderen über die sog. G-8-Gegner. Einen guten Kommentar über die linksfaschistischen Krawallproleten und SA-Nachfolger "AUTONOME" gibt es bei SPON von Reinhard Mohr: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,486343,00.html
Gruß Hans Hamburg

Uh, lol? Ich nehme mal an, lieblicher HH (?!), daß du beliebst zu scherzen. Nur: wo ist der Witz? In der denkbar plumpen Rechtsgleichlinks-Rhetorik, oder in der Benennung des Schreibwerk des Ex-PflasterStrandlers Mohr als "guten Kommentar"? Mir ist beides recht (also link?).

Dein JT Firefly von der Reichspropagandaleitung

Kommentare:

  1. Ach, JT, ein Kommentar nach meinem Geschmack! Folglich: 9

    Zur inhaltlichen Auseinandersetzung bald mal was, jetz bin ich gerade müde.

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  2. Ja, es geht gehässiger - das ist es, was Deine Leserschaft will, und der nette Kommentierer beim Fuchsbau kriegt auch gleich noch eine ab. Weiter so!

    Das kitzelt doch gleich mal mehr aus mir raus: 8 Punkte

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  3. Mit mehr Hans-Hamburg-Bashing hätt' ich vielleicht volle Punktzahl gegeben. Trotzdem gefällts: 8 Points

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