Mittwoch, Juli 11, 2007

Sun Tzus Kunst des Pokerns

Wer war der wohl beste Pokerspieler der Geschichte, obwohl er ziemlich sicher die Regeln nicht kannte? Richtig: Sun Tzu, bekannt durch sein Werk Die Kunst des Krieges. Und wahrlich, dieses Buch ist gespickt von Pokerweisheiten. Die wichtigsten finden sich hier (alle zitiert nach Wikiquote).

It is said that if you know your enemies and know yourself, you will not be imperiled in a hundred battles; if you do not know your enemies but do know yourself, you will win one and lose one; if you do not know your enemies nor yourself, you will be imperiled in every single battle.
Wer weder eine Ahnung von der Stärke seiner Pokerhand noch von der seiner Gegner hat, wird ziemlich sicher verlieren, und zwar (fast) immer - sicher jedoch auf lange Sicht. Wer zumindest weiß, wie welches Blatt zu spielen ist, hat immerhin eine Chance. Doch erst wer sowohl in der Lage ist, die eigene wie auch die Stärke der Gegner zu bestimmen, kann eigentlich nicht mehr verlieren.

Know your enemy and know yourself, find naught in fear for 100 battles. Know yourself but not your enemy, find level of loss and victory. Know thy enemy but not yourself, wallow in defeat every time.
Nur blind nach Schema F spielen, weil die Karten auf deiner Hand ein bestimmtes Vorgehen nahelegen, bringt nicht immer viel. Du mußt auch versuchen herauszufinden, warum deine Gegner wie handeln.

To know your Enemy, you must become your Enemy.
Versetz dich in dein Gegenüber. Versuche herauszufinden, warum er oder sie so handelt (Check, Raise, Check-Raise). Wird er oder sie jede Erhöhung mitgehen, oder gar selber erhöhen?

If ten times the enemy's strength, surround them; if five times, attack them; if double, divide them; if equal, be able to fight them; if fewer, be able to evade them; if weaker, be able to avoid them.
Ein Rat für No-Limit-Spieler, mit Abstrichen auch im (Pot) Limit zu beherzigen. Die Zahl der zu spielenden Hände und die "Brutalität", mit der die Hände zu spielen sind, steigt mit dem eigenen chip count.

The best victory is when the opponent surrenders of its own accord before there are any actual hostilities... It is best to win without fighting.
Außer mit ganz sicheren Händen ist es egal, wenn alle anderen aus einem Blatt aussteigen.

What is essential in war is victory, not prolonged operations.
Wenn du die Möglichkeit hast, alle anderen rauszudrücken, solltest du dies tun - ansonsten finden sie auf dem River vielleicht die eine Karte, die sie brauchten.

Be extremely subtle, even to the point of formlessness. Be extremely mysterious, even to the point of soundlessness. Thereby you can be the director of the opponent's fate.
Wer sich selber (korrekt) lesen läßt ist selber schuld. Stichwort: Pokerface. Und zumindest ab und an ist eine Hand unkonventionell zu spielen (wenn die Situation es erlaubt).

A military operation involves deception. Even though you are competent, appear to be incompetent. Though effective, appear to be ineffective.
Hast du ein unschlagbares Blatt auf der Hand (Flush mit As, Vierling, Royal Flush), solltest du alles tun, dir dies nicht anmerken zu lassen. Einfach mal checken (schieben). Hast du nur ein gutes Blatt (High Pair, Double Pair) solltest du mehr repräsentieren.

All warfare is based on deception. Hence, when we are able to attack, we must seem unable; when using our forces, we must appear inactive; when we are near, we must make the enemy believe we are far away; when far away, we must make him believe we are near.
Analog zum vorherigen Ratschlag. Und dies ist der Kern des Bluffens: nicht nur so zu tun, als habe man nichts auf der Hand, wenn man ein gutes Blatt hat, sondern auch das Gegenteil - jedenfalls wenn man die Möglichkeit dazu sieht (beispielsweise wenn alle anderen durchchecken).

Victorious warriors win first and then go to war, while defeated warriors go to war first and then seek to win.
Die Wahl des zu spielenden Blattes ist elementar. Klar, "aus allem kann ein Full House werden" (wie es in unserer Runde so schön heißt), aber ist das auch wahrscheinlich? Neeee. Am besten, man hat etwas Gutes auf der Hand (hohes Poket Pair, As und König, König und Bube suited, etc.), bevor man in den Pot investiert. Wer immer bis zum River warten muß, bis sich die Hand entwickelt hat, wird auf lange Sicht verlieren. Auf kurze vermutlich auch.

He who knows when he can fight and when he cannot will be victorious.
Nicht nur die Starthand ist wichtig. Sobald Karten auf dem Tisch liegen mußt du dir die Frage stellen, ob die Hand schon etwas ist (High Pair, Drilling), oder zumindest Potential hat (Flush Draw, Straight Draw). Kann beides verneint werden, dann raus aus dem Pot!

Opportunities multiply as they are seized.
Der Chip Leader zu sein ist eine feine Sache. Wenn du einen ordentlichen Vorsprung vor den anderen Mitspielern hast, kannst du diesen Vorsprung mit Bedacht ausnutzen.

When torrential water tosses boulders, it is because of its momentum. When the strike of a hawk breaks the body of its prey, it is because of timing.
Gerade bei No Limit Poker hat eine große Menge an Chips sozusagen eine eigene Kraft - du kannst deine Gegner durch die schiere Höhe der Einsätze "hinwegspülen". Mit Abstrichen gilt dies auch für Limit Poker. Doch auch die größte Menge an Chips bringt nichts, wenn du nicht weißt, wann du zuschlagen mußt (und wann nicht).

And therefore those skilled in war bring the enemy to the field of battle and are not brought there by him.
Ob Small Blind, Big Blind oder Button: du entscheidest, wann du spielst und wann nicht. Gleichzeitig mußt du dir überlegen, ob und wie du deine Gegner beeinflußt.


So viel von Sun Tzu. Danke dafür.

Kommentare:

  1. Oder um es mit Shan Yu zu sagen: "The day you hang a man above the rim of the volcano, that'll be the day you meet the REAL man."

    AntwortenLöschen