Freitag, Juni 30, 2006

Iä! Iä! Shub-Jürgen-Klinsmann!

Wahrlich, die Letzten Tage scheinen angebrochen! Finstre Magie beherrscht die Welt, oder ist es anders zu erklären, wie der Watschenaugust der Nation ("Schwabenschwuchtel") zur yog-sothotherischen Gottheit emporsteigen konnte?

Iä! Iä! Shub-Jürgen-Klinsmann!
Die blonde Klöte mit den elf Dödeln!


So hat das Elend, genannt "deutscher Fußball", immer noch kein Ende. Und das ist auch gut so, könnte sich ansonsten der urdeutsche Pöbel derart offenkundig auf die Straße trauen? Fahrt los, wenn ihr hupen könnt.

Alles halb so wild, halb so wild. Verdient war es ja, dieses 1:1. Das arischere Team konnte in der ersten Halbzeit zwar nur durch Unkoordination begeistern, schaffte es in der zweiten Halbzeit aber immerhin ab und an bis zur Torchance (die beste nutzte TKKG-Klose, um den argentinischen Keeper prophylaktisch, für den Fall eines Elfmeterschießens, vom Platz zu bolzen).

Der unbestreitbar glückliche Sieg (denn könnte ein gewonnenes Elfmeterschießen etwas anderes als glücklich sein?) geht letztenendes in Ordnung, wäre da nicht: die toitschen Fanprolls. Beispiele gefällig?

a) In Ermangelung von leeren Kneipen wagten wir uns bis raus zum Aachener Katschhof. Dieser war nicht nur umringt von Zäunen und Security (sehr apart), welche die Schlange der Nichthereingelassenen bis zum Markt anwachsen ließ - begrüßt wurden wir zudem von grenzdebilem "Doitschlaaaand, Doitschlaaand"-Gegröhle. Warum klingen derartige National-"Gesänge" auf Deutsch immer wie die Androhung von Prügeln?

b) Im Kapuziner-Karree war zwar nix vom Spiel, dafür umso mehr von den Fääns zu sehen. Teils sogar so, daß die Hintensitzenden dank einer einzelnen geschwänkten Deutschlandfahne noch weniger sahen als die eigentlich üblichen hellgrauen Umrisse. Ganz vorbei war's, als sich drei Fußballschauende auf dem rechten Flügel erdreisteten, Argentinien-Fahnen zu schwenken - prompt war der Hof erfüllt von Pfiffen und Buh-Rufen. Eben: die Welt zu Gast bei "Freunden".

c) Als dann gegen Ende der ersten Halbzeit das allseits beliebte "Steht auf, wenn ihr Deutsche seid", angestimmt wurde, und tatsächlich knapp die Hälfte der anwesenden Lappen und Vollschwachmaten sich von den zugegeben nicht allzu bequemen Klappstühlen erhob, mußte, wer noch wenigstens eine Tasse im Schrank hatte, die logische Konsequenz ziehen: wir standen auf wie geheißen, und verließen

Im Meisenfrei, wo wir die zweite Halbzeit begutachten durften, war's dann einigermaßen erträglich, und "unsere" elf mit Wasabi angereicherten Kichererbsen sorgten für allgemeines Vergnügen - bis sie dann tatsächlich im Elfmeterschießen gewannen, wo ihnen vor Freude die Eier aus der Hose fielen (siehe Bild rechts). Ein wenig Stimmung kam erst wieder auf, als Olivia Bierhoff sich erdreistete, im kleinen Schwarzen das Feld zu betreten, was das argentinische Team nicht so ohne weiteres durchgehen lassen wollte. Leider ist Argentinien nicht Holland, und so blieb es am Ende bei halbherzigem Herumgeschubse.

Die deutsche Mannschaft / die Deutschen sind jedenfalls weiter. Ob des vorherigen Geschwafels über die arische Unbesiegbarkeit hätte man glauben können, daß das deutsche Selbstbewußtsein nach einem Elfmeterschienen und einem alles andere als eindeutigem Spielverlauf vielleicht lieber zuhause bleiben würde. Aber da haben wir wohl das neue deutsche Selbstbewußtsein unterschätzt. Wir, und die Bundesregierung. Denn sonst wäre die Mehrwertsteuer wohl auf 25 Prozent angehoben worden, und nicht nur auf lächerliche, vorrundige 19.

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