Donnerstag, Januar 25, 2007

Kölsche' Umjang mit der Statistik

Kaum thematisierte der Deutschlandfunk in einem Interview die Möglichkeit der Freilassung ehemaliger RAF-Leute, da knarzt schon der Kölner Stadt-Anzeiger:
Eine klare Mehrheit der Deutschen ist gegen eine Begnadigung der RAF-Terroristen. 64,6 Prozent sprachen sich in einer repräsentativen Umfrage des Marktforschungsinstituts OmniQuest im Auftrag des „Kölner Stadt-Anzeiger“ gegen eine Begnadigung der wegen mehrfachen Mordes verurteilten Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar aus.
So weit, so klar, und eigentlich nicht anders zu erwarten. Der KAS wertet dies als eindeutigen ("klare Mehrheit") Beleg dafür, daß "die Deutschen"/"die Kölner"/"die Deppen", wer auch immer, der RAF nicht vergeben haben.

Um dann wie folgt die weiteren Ergebnisse der Umfrage zu beschreiben:
Mehr als drei Viertel der Befragten (76,6 Prozent) ist dagegen, dass zu lebenslanger Haft verurteilte Straftäter oft nur 15 Jahre absitzen müssen.
Folglich, schnödes Käseblatt KAS, ist laut Statistik ein größerer Teil der Bevölkerung allgemein gegen vorzeitige Haftentlassung als im konkreten Fall der RAF.

Fazit: Restlos Alles Falsch. Die Journaille legt wie üblich Statistiken so aus, wie es ihrem Gusto entspricht. Wann immer, wo immer in Zeitungen und Magazinen Statistiken verbraten werden, ist Vorsicht geboten. Selbst wenn mal eine Schlußfolgerung stimmt (soll vorkommen), dient die Wortwahl der falschen Gewichtung. Beispiel aus dem selben Machwerk:
Das [sic!] die Todesstrafe in Deutschland und vielen anderen Ländern abgeschafft ist, halten mehr als zwei Drittel (70,4 Prozent) der Befragten für richtig. Allerdings ist immerhin fast jeder vierte Mann und fast jede fünfte Frau dafür, die Todesstrafe wieder einzuführen.
Ähnliches, nur einen Tacken deutlicher, ließe sich über die Zustimmung der RAF-Entlassung sagen, aber selbstredend steht das da nicht - man soll ja keinen falschen Eindruck bekommen...

Kommentare:

  1. Zu beachten ist auch: die Alten werden auf ihre selbigen Tage immer lascher, dafür "zeigte sich die Gruppe der 14- bis 29-Jährigen in ihrer Meinung härter"! Liegt das etwa an den Ballerspielen?

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  2. Dürfte weniger an den Ballerspielen liegen(denn an dieser Stelle geht es mal nicht um die Todesstrafe). Vielmehr dürfte die mediale Aufbereitung der RAF in den letzten Jahren dafür verantwortlich sein, daß jüngere Leute die RAF für gefährlicher halten als ältere, welche die 70er erlebt haben...

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  3. Die RAF ist in den Aufbereitungen der letzten Jahre (Ausstellung, Kinofilme) eher zum historischen Gegenstand, zu poor lonesome Cowboys gemacht worden, die v.a. Bock auf Gewalt und Sex hatten. Also quasi zur Person 2006.

    Wo Du hingegen völlig recht hast, ist, daß die jüngeren mit der RAF auch nichts anderes verbinden als mit Al Qaida oder jeder anderen Terrorgruppe, im als Antiimperalismus getarnten Antizionismus, der nur schlecht verschleierter Antisemitismus war bzw offener ist, treffen sich die Weltbilder ja durchaus.

    Allerdings befürchte ich, daß "die Gruppe der 14- bis 29-Jährigen" die RAF für so'ne Art ideologisch gefestigter Amokläufer an Schulen hält.

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  4. ja, ja, die royal air force, wie meine generation zu sagen pflegt...

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