Freitag, März 20, 2009

Hauptsache Sündenbock: "Killerspiele" und die einfache Antwort

Erneut ein Amoklauf in einer deutschen Schule, erneut die Suche nach den Ursachen, erneut der Fund von "Killerspielen" in der Wohnung des Läufers.

Ob Games ab 18 das Töten trainieren, motivieren, erleichtern, ist bis dato nicht schlüssig nachgewiesen. Wissenschaftliche Untersuchungen zum Thema belegen mal das eine, mal das andere, und sind oft genug methodisch schwammig. Trotzdem ist es leicht, die Schuld auf FSK 18-Spiele zu schieben, so wie weiland auf "Gewaltvideos" (und noch früher: Rock'n'Roll).

Nur selten werden in den Medien die naheliegenderen Schlüsse gezogen. Wie viele Teenager zocken am PC oder der Konsole? Und wie viele sind im Schützenverein? Da sprintet der Amokläufer lang.

Galeria Kaufhof macht derweil, was en vogue ist, und nimmt alles mit FSK 18 auf der Packung aus dem Programm - egal, ob Game oder Film. Schlimm genug, dass mit den Ängsten von Eltern Marketing betrieben wird: wer sich hier als erwachsene Person gegängelt fühlt, empfindet richtig. Mein Tipp: Bambi und Biene Maya auf der Blümchenwiese in Zukunft nicht mehr im Kaufhof erwerben.

Abschließend noch ein kostengünstiger Hinweis für den Handel: Spiele ab 18 nicht mehr an Minderjährige verkaufen. Dieser Ansatz, man glaubt es kaum, wäre noch einfacher zu bewerkstelligen als die Anpassung des Sortiments, ihr Dumpfbacken.

Aber lassen wir den drögen Kaufhof ruhig machen. Erwachsene Gamer mit Kreditkarte ordern ihre Games zur Zeit ohnehin in England - kostengünstig und garantiert ungeschnitten. Huzzah!


(PS: Das Stress-Exil dieses Blogs ist nach wie vor nicht geliftet.)

Kommentare:

  1. Es gibt wenig, was meinen Blutdruck schneller steigen lässt, als reaktionäres Verbotsgekreische. Gerade nach 60 Jahren Grundgesetz, ist der wiederholt aufflammende innige Wunsch einiger Politiker und Bürger nach einer ästhetischen Zensur (und mehr ist es nicht) einfach nur unheimlich peinlich. Hoffen wir einfach, dass es bei diesem schwachsinnigen Säbelrasseln bleibt und das Bundesverfassungsgericht keinen Mist baut.

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  2. Und es ist ja auch nicht so, als ob eine ästhetische Zensur nicht schon existieren würde. Nichts anderes stelt ja der Index der BPjS oder die Verweigerung der FSK-Freigabe da.

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  3. Von freiwilliger Zensur ganz zu schweigen. Dazu später mehr im Blog meines Vertrauens.

    Die de facto-Zensur kann derweil mit "Alles für die Kinder" umschrieben werden. Und da ist bekanntlich jedes Mittel recht, ob Grundgesetz-konform oder nicht.

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