Der tollste Schnauzer der Welt, "itsa-me" Mario, werde heute 25, meint Kotaku, denn am 13. September 1985 erschien Super Mario Bros. in Japan. Doch damit, liebes Wir-sind-so-hardcore-dass-wir-weinen-müssen-Kotaku, ist heute nur ein Jubiläum: Super Mario Bros. wird 25, nicht der pummelige Klempner. Denn dieser erschien zum ersten Mal 1981 in Donkey Kong, allerdings unter dem Namen "Jumpman". Seinen ersten Auftritt als Mario hatte der Latzhosenmann am 1. Juni 1983, und selbst damit ist er bereits 27 (und sieht ohnehin älter aus, Pornobalken sei dank).
Kleiner Tipp, Kotaku: Pressemitteilungen nicht blind Glauben schenken. Selbst dann nicht, wenn sie von Nintendo kommen.
Beating the dead horse since 2005.
Dieser Blog drückt zwar die Meinung des Autors, nicht aber die der Lesenden aus. Falls doch, ist diese wieder manuell einzudrücken. Nicht für empfindliche Naturen. Ent- und Benutzung auf eigene Gefahr, und mindestens zweimal die Woche. Im übrigen, ich unterstehe nur einem Gericht, mir selbst, und das Urteil jedes anderen ist mir gleichgültig. There is no Sanity Clause.
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Montag, September 13, 2010
Freitag, Mai 23, 2008
Wenn deine Argumente dich überholen
Lieber spät als nicht mehr möchte ich in gebührender Länge über einen Artikel in der Jungle World palavern, der es leider in sich hat: "Wenn die Wirklichkeit dich überholt", von Roger Behrens, aufgehangen am unlängst erschienenen "Grand Theft Auto IV" (GTA IV). Über diesen darf man denken, was man will - ein paar eklatante Disinfen sollen nicht unkommentiert bleiben.
Jupp, S.T.A.L.K.E.R. (!) kennt kein Mensch mehr. Doch man mag sich wundern, wie willkürlich dieser Griff in den Fundus der Computer- und Videospiele ist. S.T.A.L.K.E.R. war ok, aber nicht großartig, mit einer durchschnittlichen Bewertung von geschätzten 80% - schwerlich ein Meilenstein der Videospielgeschichte. Andere Spiele jedoch bleiben sehr wohl im kulturellen Gedächtnis; Serien zumeist (denn alles, was derartigen Erfolg genießt, bekommt ein Sequel, logisch), aber nicht ausschließlich. Kein Zufall jedenfalls, dass ausgerechnet ein Spiel aus dem ausgelutschtesten, innovationsärmsten und gameplaysimpelsten Genre herausgegriffen wurde - Egoshooter sind das spielerische Äquivalent der Boy Group-Retorten.
Die Grafik von S.T.A.L.K.E.R. war wie das gesamte Spiel (nett, nicht topp), und World of Warcraft (WoW) ... wer hier von wirklichkeitsgetreuer (mit oder ohne Anführungszeichen) Grafik spricht, schreibt entweder seine Artikel auf der Schreibmaschine, oder biegt sich nun bereits zum zweiten Mal ein Argument zurecht.
"Und dergleichen" ... der Erfolg von WoW sucht seinesgleichen, zum dritten Male wird also konstruiert. Worin die Faszination von WoW besteht, ist leicht erklärt: Interaktion und Auseinandersetzung mit anderen Menschen via WoW-Interface ("der Welt schönster Chat-Client"), sowie flottes und regelmäßiges Verbessern des eigenen Charakters ("pling") - hier holt sich die Jugend, was ihr im "realen Leben" verwehrt bleibt: soziale Vernetzung und Anerkennung. Mit Zerstörung hat das nichts zu tun.
Dass in GTA IV auch Bahn gefahren wird, sei nur am Rande erwähnt.
Liebste Jungle World, es scheint, als wenn ihr eure Redaktion am liebsten in die Rudi-Dutschke-Straße verlegen wolltet. Lassen, das.
Mit Blockbuster-Filmen und trivialmythischen Romanen teilen die millionenfach verkauften Computerspiele auch die Kurzlebigkeit. Der enorme ökonomische Erfolg findet keine Entsprechung im »kulturellen Kanon«. Kaum jemand redet noch von »Stalker – Shadow of Chernobyl«, dem Kassenschlager des vergangenen Jahres. Und dennoch sind solche Produkte in ihrer soziokulturellen Bedeutung keineswegs zu unterschätzen. Sie sind historisch irrelevant, und gleichzeitig sind sie nichts anderes als ein adäquater Ausdruck der Geschichte der Gegenwart; Ausdruck der Funktion, die die Software und die Hardware im Alltag der Menschen haben.
Jupp, S.T.A.L.K.E.R. (!) kennt kein Mensch mehr. Doch man mag sich wundern, wie willkürlich dieser Griff in den Fundus der Computer- und Videospiele ist. S.T.A.L.K.E.R. war ok, aber nicht großartig, mit einer durchschnittlichen Bewertung von geschätzten 80% - schwerlich ein Meilenstein der Videospielgeschichte. Andere Spiele jedoch bleiben sehr wohl im kulturellen Gedächtnis; Serien zumeist (denn alles, was derartigen Erfolg genießt, bekommt ein Sequel, logisch), aber nicht ausschließlich. Kein Zufall jedenfalls, dass ausgerechnet ein Spiel aus dem ausgelutschtesten, innovationsärmsten und gameplaysimpelsten Genre herausgegriffen wurde - Egoshooter sind das spielerische Äquivalent der Boy Group-Retorten.
Allgemein wird die realistische, »wirklichkeitsgetreue« Grafik, die Computerspiele wie »Grand Theft Auto«, »Stalker« oder »World of Warcraft« bieten, begeistert gefeiert.
Die Grafik von S.T.A.L.K.E.R. war wie das gesamte Spiel (nett, nicht topp), und World of Warcraft (WoW) ... wer hier von wirklichkeitsgetreuer (mit oder ohne Anführungszeichen) Grafik spricht, schreibt entweder seine Artikel auf der Schreibmaschine, oder biegt sich nun bereits zum zweiten Mal ein Argument zurecht.
Ein Computerspiel, in dem statt Auto Eisenbahn gefahren wird, in dem Städte aufgebaut statt zerstört werden, ist langweilig; mit »World of Warcraft« und dergleichen können Spiele wie »Railroad Tycoon« oder »SimCity« nicht mithalten.
"Und dergleichen" ... der Erfolg von WoW sucht seinesgleichen, zum dritten Male wird also konstruiert. Worin die Faszination von WoW besteht, ist leicht erklärt: Interaktion und Auseinandersetzung mit anderen Menschen via WoW-Interface ("der Welt schönster Chat-Client"), sowie flottes und regelmäßiges Verbessern des eigenen Charakters ("pling") - hier holt sich die Jugend, was ihr im "realen Leben" verwehrt bleibt: soziale Vernetzung und Anerkennung. Mit Zerstörung hat das nichts zu tun.
Dass in GTA IV auch Bahn gefahren wird, sei nur am Rande erwähnt.
Liebste Jungle World, es scheint, als wenn ihr eure Redaktion am liebsten in die Rudi-Dutschke-Straße verlegen wolltet. Lassen, das.
Samstag, März 29, 2008
Von Wölfen und Windhunden - Neues vom Verein e.V.
Eine der Unannehmlichkeiten einer geregelten Arbeit (neben kaputtem Rücken und Sex mit den Chefs) ist das omnipräsente Radioprogramm. Beispiel WRD 2, welches uns letzten Freitag kurz vor Feierabend mit einem Interview zum Thema "Sauber Deutschsprech, Kruzifix!" (o.s.ä.) beglückte (im Gegensatz zu den Chefs, die hatten Migräne).
Interviewpartner war Wolf Schneider, Autor des angeblich ironisch betitelten Machwerks "Speak German!". Er ist, neben Walter Krämer und Josef Kraus, Mitbegründer der grenzdebilen Aktion "Lebendiges Deutsch", und damit Miterfinder des "Hingehers", der "Denkrunde", des "Glücktopfs", des "Netzplauderns" und weiterer babylonischer Worthülsen.
Schneider offerierte, wie man es erwarten konnte, Ersatzvokabeln für gängige englische Begriffe. Schenkelklopfbeispiel? "Software" sei durch "Betriebssystem" zu ersetzen. Ja, so wird die deutsche Sprach' nicht nur erfolgreich reanimiert, es zieht zugleich auch ein neuer Duft der Verständlichkeit mit ein (bitte nicht mit Verwesungsgeruch verwechseln). Anwendungsbeispiel: "Alter, halt die Fresse, da hab ich mir doch dieses Freie Ware Betriebssystem runtergeholt, nur zwoeinhalb Riesenbrocken, du Missgeburt."
Wo Schneider kein Prob mit hat, sind altehrwürdige Anglizismen wie Sport oder Sex (kennt der unsere Chefs?). Bravooo, du Geistesgröße - man stelle sich vor, der Verein e.V. wäre nicht erst 1997, sondern (willkürliches Beispiel) bereits 1933 gegründet worden, und Zeter und Mordio hätte auch jene Begriffe befallen.
Ladies and Gentlemen, die Aufwärmphase des diesjährigen Internationalen Day des Denglish hat begonne. Schließlich hat der Verein e.V. mittlerweile seine Gegenveranstaltung: den "Internationalen Tag der Muttersprache".
Warum nicht die Gelegenheit nutzen, und der Aktion "Living German" ein paar nette Vorschläge zum aktuell gesuchten Word of the Month ins Poesiealbum schreiben ... gesucht ist möglichst sinnentfremdendes Pseudodeutsch für "all you can eat". "Ess dich fett"? "Fressen bis zum Kotzen"? "Mehr zu Spachteln als jedes Dritteweltland"? Ich tippe, weil es so schön ins restliche Angebot der Action Sprekken Deutsch passt, auf "Schaufelweiseschlucken".
Interviewpartner war Wolf Schneider, Autor des angeblich ironisch betitelten Machwerks "Speak German!". Er ist, neben Walter Krämer und Josef Kraus, Mitbegründer der grenzdebilen Aktion "Lebendiges Deutsch", und damit Miterfinder des "Hingehers", der "Denkrunde", des "Glücktopfs", des "Netzplauderns" und weiterer babylonischer Worthülsen.
Schneider offerierte, wie man es erwarten konnte, Ersatzvokabeln für gängige englische Begriffe. Schenkelklopfbeispiel? "Software" sei durch "Betriebssystem" zu ersetzen. Ja, so wird die deutsche Sprach' nicht nur erfolgreich reanimiert, es zieht zugleich auch ein neuer Duft der Verständlichkeit mit ein (bitte nicht mit Verwesungsgeruch verwechseln). Anwendungsbeispiel: "Alter, halt die Fresse, da hab ich mir doch dieses Freie Ware Betriebssystem runtergeholt, nur zwoeinhalb Riesenbrocken, du Missgeburt."
Wo Schneider kein Prob mit hat, sind altehrwürdige Anglizismen wie Sport oder Sex (kennt der unsere Chefs?). Bravooo, du Geistesgröße - man stelle sich vor, der Verein e.V. wäre nicht erst 1997, sondern (willkürliches Beispiel) bereits 1933 gegründet worden, und Zeter und Mordio hätte auch jene Begriffe befallen.
Ladies and Gentlemen, die Aufwärmphase des diesjährigen Internationalen Day des Denglish hat begonne. Schließlich hat der Verein e.V. mittlerweile seine Gegenveranstaltung: den "Internationalen Tag der Muttersprache".
Warum nicht die Gelegenheit nutzen, und der Aktion "Living German" ein paar nette Vorschläge zum aktuell gesuchten Word of the Month ins Poesiealbum schreiben ... gesucht ist möglichst sinnentfremdendes Pseudodeutsch für "all you can eat". "Ess dich fett"? "Fressen bis zum Kotzen"? "Mehr zu Spachteln als jedes Dritteweltland"? Ich tippe, weil es so schön ins restliche Angebot der Action Sprekken Deutsch passt, auf "Schaufelweiseschlucken".
Dienstag, Februar 26, 2008
Willkommen im SpOn-Kindergarten
Sonntag, Januar 06, 2008
Web 0, Süddeutsche -1
Völlig an mir vorbeigegangen ist ein Blogeintrag, Entschuldigung: ein professionellstmöglicher Digital-Feuilleton-Artikel auffe sueddeutsche.de, also an erster Stelle ein Dank an Empty Rooms von it all ends where it begins , der mich im Kommentarbereich dieses Artikels auf jenes uninformierte, neidische und schwerstbeleidigte Gestammel aufmerksam machte.
Jene Mattglanzleistung modderjournalistischer Selbstverteidigung nennt sich Die neuen Idiotae: Web 0.0. Allein dieser Titel lässt uns vor Ehrfurcht auf die Knie fallen, und gleichzeitig ins Wachkoma. Danke, Autor Bernd Graff, für diesen beeindrückenden Spagat zwischen Neid und Hammel.
Worum es geht, weiß man vermutlich schon vorher: der Journaille in Deutschland geht es schlecht, wollen doch immer weniger Leute genug Altpapier für den wöchentlichen Fischeinkauf, was ein Wegbröseln der Abos nach sich zieht, bis nur noch das Kernpublikum übrig bleibt (die Fischhändler). Schuld ist, und das wird von entsprechenden Kreisen gebetsmühlenartig wiederholt wie von der Musikindustrie die mutmaßlichen Verluste in Trilliardenhöhe dank Filesharing, das Internet (jedoch ausnahmsweise nicht das "Raubkopieren", da nun wirklich selbst die letzten "Idiotae" nicht auf die Idee kämen, die SZ und Konsorten zu scannen und zum Runterladen anzubieten). Die klassische Tageszeitung hat in unseren flotten Zeiten wirklich ein Problem, hinkt sie der eigentlichen Nachricht doch um bis zu 24 Stunden hinterher, am Wochenende gar länger, weshalb sie auf einen imaginären Qualitätsvorsprung verweisen muss: die anderen sind flott aber doof, wir sind lahm aber schlau.
Der Herr Graff jedenfalls macht zunächst (und wiederholt) einen auf "letzer linker Student":
Das geht ja schon "gut" los. Da gibt es Leute, die das Medium Internet offensichtlich besser verstehen, als gewisse SZ-Redakteure, die das Internet tatsächlich nur als den verlängerten Arm ihres Printproduktes halten. Das darf nicht durchgelassen werden, ist doch die Journaille neben den Lehrenden die zweite Berufsgruppe, die das Klugscheißen gepachtet hat. Dumm sind immer die anderen, der Journalist nimmer. (Und, Graff, es ist mithin nicht "das" Problem, sondern "deins".)
Was machen nun jene "schlauen Menschen", die viel dümmer sind als selbst der dümmste Journalist?
Nach viel verbrämter und verletzter Eitelkeit kommt er auf den Punkt:
Das also ist sein schizophrenes Problem: einerseits maßt sich das Web 2.0 an, ein Ersatz für die herkömmliche Berichterstattung zu sein; andererseits erdreistet es sich, nicht ausschließlich über den flüssigen Stuhlgang der Politikerkaste zu berichten.
Nachdem er seine persönlichen Webhighlights (YouTube und Linux, whoa) kurz vorstellt, muss er auch schon wieder zurückrudern:
Da sind sich WWW und Zeitungsmarkt gleich: woher man seine Fehlinformation, Denunziation und Selbstdarstellung bezieht, ist jedem frei gestellt. Was der Herr Graff nicht begreifen will: es ist ihm völlig freigestellt, entsprechende Websites mit Missachtung zu strafen, wie dies andere mit der SZ machen. Doch die SZ ist ja ganz, ganz wichtig, bescherte sie uns doch eine der größten Sternstunden der journalistischen Zunft:
Wollen wir Äpfel mit Birnen vergleichen? Also investigativen Journalismus mit dem journalistischen Tagesgeschäft? In deinem Interesse, Herr Graff: lieber nicht.
Er will es einfach nicht verstehen.
Für die ganz Dummen (also eben nicht die von Graff angeklagten "schlauen Menschen"): das WWW ist keine Tageszeitung.
Doch weiter im Redakteurs-Kung Fu.
Baby, you're a star! Nicht was wie geschrieben steht, sondern wer wo schreibt ist der Primat. Tolle Wurst. Warum? Darum:
Im Vorübergehen veranschaulicht der Herr Graff an dieser Stelle anschaulich, wie viel bzw. wenig "Sachkenntnis" er von der Materie hat. Wikipedia mag "einfach anzuklicken" sein (doch gilt das nicht erst einmal für jede Website?), doch weder strotzt sie vor Fehlern, noch bleibt mutwillige Sabotage dort lange unentdeckt - die Community schafft tatsächlich das, wofür ein Herr Graff eigentlich einen Chefredakteur benötigen würde: um den grobsten Unfug aus der Welt zu schaffen.
Was ihn ärgert, ist mithin das 2.0 am Web:
Nicht so despektierlich, mein Lieber. Wie beispielsweise unter dem Label Journaille in diesem Blog nachzulesen ist, greift jene in Deutschland oft genug ins Klo. Die selbsternannten Fachleute, deren einzige Expertise in vielen Fällen nur das geschriebene Wort ist, können sich nur so lange wie die tollsten Koryphäen aller Belange gerieren, wie ihr Schrieb unkommentiert verbleibt.
Was bleibt hängen? Die Journaille verteidigt sich. Und das schlecht.
Jene Mattglanzleistung modderjournalistischer Selbstverteidigung nennt sich Die neuen Idiotae: Web 0.0. Allein dieser Titel lässt uns vor Ehrfurcht auf die Knie fallen, und gleichzeitig ins Wachkoma. Danke, Autor Bernd Graff, für diesen beeindrückenden Spagat zwischen Neid und Hammel.
Worum es geht, weiß man vermutlich schon vorher: der Journaille in Deutschland geht es schlecht, wollen doch immer weniger Leute genug Altpapier für den wöchentlichen Fischeinkauf, was ein Wegbröseln der Abos nach sich zieht, bis nur noch das Kernpublikum übrig bleibt (die Fischhändler). Schuld ist, und das wird von entsprechenden Kreisen gebetsmühlenartig wiederholt wie von der Musikindustrie die mutmaßlichen Verluste in Trilliardenhöhe dank Filesharing, das Internet (jedoch ausnahmsweise nicht das "Raubkopieren", da nun wirklich selbst die letzten "Idiotae" nicht auf die Idee kämen, die SZ und Konsorten zu scannen und zum Runterladen anzubieten). Die klassische Tageszeitung hat in unseren flotten Zeiten wirklich ein Problem, hinkt sie der eigentlichen Nachricht doch um bis zu 24 Stunden hinterher, am Wochenende gar länger, weshalb sie auf einen imaginären Qualitätsvorsprung verweisen muss: die anderen sind flott aber doof, wir sind lahm aber schlau.
Der Herr Graff jedenfalls macht zunächst (und wiederholt) einen auf "letzer linker Student":
Schlaue Menschen werden darauf hinweisen, dass das Internet immer schon ein Beteiligungsnetz war, und dass die Ansätze zu dieser Berichterstattung wesentlich älter sind als fünf Jahre. Leider nun sind jene Schlauen, die wir aus unserem gut gewärmten Mainstreammedia-Bett heraus und hinein in ihr debattenknisterndes Web grüßen: das Problem.
Das geht ja schon "gut" los. Da gibt es Leute, die das Medium Internet offensichtlich besser verstehen, als gewisse SZ-Redakteure, die das Internet tatsächlich nur als den verlängerten Arm ihres Printproduktes halten. Das darf nicht durchgelassen werden, ist doch die Journaille neben den Lehrenden die zweite Berufsgruppe, die das Klugscheißen gepachtet hat. Dumm sind immer die anderen, der Journalist nimmer. (Und, Graff, es ist mithin nicht "das" Problem, sondern "deins".)
Was machen nun jene "schlauen Menschen", die viel dümmer sind als selbst der dümmste Journalist?
Sie zerfleddern - wie es gerne auch wir Zeitungsmenschen tun - jedes Thema. Sie tun dies aber oft anonym und noch öfter von keiner Sachkenntnis getrübt. Sie zetteln Debattenquickies an, pöbeln nach Gutsherrenart und rauschen dann zeternd weiter. Sie erschaffen wenig und machen vieles runter. Diese Diskutanten des Netzes sind der Diskurstod, getrieben von der Lust an Entrüstung.Anonym ist er nicht, der Bernd Graff, wenn auch mir persönlich leider unbekannt. Mangelnde Sachkenntnis stört ihn hingegen ebenfalls nicht, wie wir schon sehen und weiter sehen werden. Runter macht er auch, und zetert und pöbelt. Das "aber" des zweiten Satzes hätte er sich sparen sollen, dann wäre wenigstens ein Iota Glaubwürdigkeit erhalten geblieben.
Nach viel verbrämter und verletzter Eitelkeit kommt er auf den Punkt:
Das "Pew Research Center" in Washington hat im Sommer untersucht, welche Themen auf User-News-Sites wie Digg, Reddit und Del.icio.us für wichtig erachtet werden, mit dem Ergebnis: Als Ersatz für herkömmliche Medien kann sich der "citizen journalism" des Netzes nicht bewähren, vielleicht aber als Ergänzung. So versöhnlich muss man nicht sein: In der Nutzer-Hierarchie von del.icio.us gelangen nur drei Prozent der Nachrichten, die das Weltgeschehen bestimmen, auf die Plätze. Wesentlich wertiger werden hier Stücke über Kaffeekochen in Japan und die Beschaffenheit von Flugzeugsitzen empfunden.
Das also ist sein schizophrenes Problem: einerseits maßt sich das Web 2.0 an, ein Ersatz für die herkömmliche Berichterstattung zu sein; andererseits erdreistet es sich, nicht ausschließlich über den flüssigen Stuhlgang der Politikerkaste zu berichten.
Nachdem er seine persönlichen Webhighlights (YouTube und Linux, whoa) kurz vorstellt, muss er auch schon wieder zurückrudern:
Aber wieso all das grundsätzliche Hallelujah auf den "User Generated Content", der nicht selten ein "Loser Generated Content" ist? Wollen wir uns nur über die paar Gala-Vorstellungen freuen, wenn Fehlinformation, Denunziation und Selbstdarstellung das Tagesgeschäft der Laufkundschaft im Netz ist?
Da sind sich WWW und Zeitungsmarkt gleich: woher man seine Fehlinformation, Denunziation und Selbstdarstellung bezieht, ist jedem frei gestellt. Was der Herr Graff nicht begreifen will: es ist ihm völlig freigestellt, entsprechende Websites mit Missachtung zu strafen, wie dies andere mit der SZ machen. Doch die SZ ist ja ganz, ganz wichtig, bescherte sie uns doch eine der größten Sternstunden der journalistischen Zunft:
Wollen wir diesen Aufstand der Konsumenten mit der Aufdeckung des Watergate-Skandals vergleichen?
Wollen wir Äpfel mit Birnen vergleichen? Also investigativen Journalismus mit dem journalistischen Tagesgeschäft? In deinem Interesse, Herr Graff: lieber nicht.
Er will es einfach nicht verstehen.
Warum aber sollten Menschen, die lediglich neue technische Möglichkeiten nutzen, etwa um ihre Poesie-Alben zu veröffentlichen oder um ihrer Trauer über kaputte Computer Ausdruck zu verleihen, warum sollten diese Menschen Produktionsbedingungen für Medien diktieren und Meinungsführerschaft beanspruchen? Ist die produktive Vernetzung von wandelbaren sozialen Identitäten schon deswegen gegeben, weil jemand ein Chatprogramm anschmeißen kann oder sich in einem Blog wenigstens selbst beweist, dass er ja bloggt, also irgendwie noch lebt?
Für die ganz Dummen (also eben nicht die von Graff angeklagten "schlauen Menschen"): das WWW ist keine Tageszeitung.
Doch weiter im Redakteurs-Kung Fu.
Obwohl etablierte Formen der Informationsbildung, zum Beispiel aus Tageszeitungen und Magazinen, als "Mainstream Media" verspottet werden (sie gelten als korrumpiert, hierarchisch, hirngewaschen, langsam und überaltert), obwohl der Schwarmgeist also triumphieren möchte, darf erinnert werden: Es macht immer noch den Unterschied, wer etwas sagt. Und wo er es tut.
Baby, you're a star! Nicht was wie geschrieben steht, sondern wer wo schreibt ist der Primat. Tolle Wurst. Warum? Darum:
Die etablierten Medien verfügen über rigide Aufnahmeverfahren und praktizieren bei journalistischem Fehlverhalten im besten Fall Sanktionierungen. Es darf also eben nicht jeder überall mitschreiben - und der, der schreibt, macht dies nie unbeobachtet und zum Beispiel auf der freien und anonymen Wildbahn der Wikipedia, die so einfach anzuklicken ist und wohl auch deshalb vor Fehlern strotzt. Was aber wiegt dann mehr? Dass das immer elitäre Denken der Mainstream-Medien im Zweifel undemokratisch ist? Oder, dass daraus Qualität entsteht?Die "rigiden Aufnahmeverfahren" sehen so aus, dass jede und jeder zunächst über die berüchtigten Kaninchenzüchtervereine zu schreiben hat, bevor es über die Karnevals- zur Bundestagssitzung geht. Für jeden mystischen "ernsten Journalismus" soll zunächst gelernt werden, wie selbst aus dem letzten Dreck eine stilbefreite Meldung wird. Das ist fürwahr rigide.
Im Vorübergehen veranschaulicht der Herr Graff an dieser Stelle anschaulich, wie viel bzw. wenig "Sachkenntnis" er von der Materie hat. Wikipedia mag "einfach anzuklicken" sein (doch gilt das nicht erst einmal für jede Website?), doch weder strotzt sie vor Fehlern, noch bleibt mutwillige Sabotage dort lange unentdeckt - die Community schafft tatsächlich das, wofür ein Herr Graff eigentlich einen Chefredakteur benötigen würde: um den grobsten Unfug aus der Welt zu schaffen.
Was ihn ärgert, ist mithin das 2.0 am Web:
Schirrmacher hat auf die Polemik und die Eskalation im Netz reagiert und bei Spiegel Online eine Art kommentierter Lesehilfe nachgereicht. Auch diese Gebrauchsanweisung wurde natürlich wieder kommentiert. Unter anderem so: "Was soll man denn davon halten, wenn Schirrmacher . . . die Vorteile der Tageszeitungen quasi als Gegenmittel gegen die negativen Momente und Folgen des Internets anpreist? Hier wird natürlich ein Qualitätsgegensatz zwischen beiden Medien herbeigeredet."
Nein, ihr Lieben, der wird nicht herbeigeredet. Der besteht.
Nicht so despektierlich, mein Lieber. Wie beispielsweise unter dem Label Journaille in diesem Blog nachzulesen ist, greift jene in Deutschland oft genug ins Klo. Die selbsternannten Fachleute, deren einzige Expertise in vielen Fällen nur das geschriebene Wort ist, können sich nur so lange wie die tollsten Koryphäen aller Belange gerieren, wie ihr Schrieb unkommentiert verbleibt.
Was bleibt hängen? Die Journaille verteidigt sich. Und das schlecht.
Freitag, Januar 04, 2008
Harms Way
Wer rastet, der rostet, so Goethe, Schiller und Lessing, also sei mir angesichts der knappen Übung in den letzten Wochen dieser billigste Namenswitz verziehen. Danke für Ihr Verständnis.
Worum es geht? Der Bundesgerichtshof hat die fast bundesweiten Razzien vorm kürzlichen G8-Gipfel für rechtswidrig erklärt. Verantwortlich für die illegalen Wohnungsdurchsuchungen ist Generalbundesanwältin Monika Harms. SpOn zeigt die Richtung vor:
"Die Linke jubelt", Spiegel Online? "Die Linke"? Muss man wirklich Linker sein, um derartige ausschweifende Interpretation des Paragraphen § 129a StGB als (gelinde gesagt) problematisch zu erachten? Is' recht, scheiß doch der Hund drauf.
(Und überhaupt, SpOn: "G-8-Gipfel"? Wenn ihr schon drei mutmaßliche Online-VolontärInnen unbeaufsichtigt eure Site aktualisieren lasst, dann guckt doch wenigstens nachher mal drüber. Oder ist das eure persönliche Rechtschreibreform? Vielleicht setzt es sich ja durch.)
Desweiteren beobachtet man eine besondere Manöverübung auf dem Schlachtfeld der Parteipolitik:
Die Razzien sind zwar illegal, waren aber notwendig - danke für diese offenen Worte. In freier Wildbahn wären solch schizophrenen Auswürfe ein Fall für die Geschlossene.
Konkret- und personalisiert liest sich das so:
Mit ähnlicher Argumentation könnte man jener Politikerkaste, die derlei halbgaren Meinungsbrei vor den Pöbel pfeffert, deftige Tritte an die Sabberleiste verpassen, um künftig diesen himmelschreienden Unfug zu unterbinden. Aber man muss ja nicht gleich auf das gleiche Niveau sinken.
Merken wir uns einfach: alles, was kein Murmelspielen ist, kann als Terrorismus angesehen werden.
Worum es geht? Der Bundesgerichtshof hat die fast bundesweiten Razzien vorm kürzlichen G8-Gipfel für rechtswidrig erklärt. Verantwortlich für die illegalen Wohnungsdurchsuchungen ist Generalbundesanwältin Monika Harms. SpOn zeigt die Richtung vor:
Die Linke jubelt: Der Bundesgerichtshof hat die Razzien der Bundesanwaltschaft vor dem G-8-Gipfel für rechtswidrig erklärt. SPD und Union verteidigen Chefermittlerin Harms - dabei ist es schon ihre zweite schwere Niederlage vor Gericht im Kampf gegen militante Linke.
"Die Linke jubelt", Spiegel Online? "Die Linke"? Muss man wirklich Linker sein, um derartige ausschweifende Interpretation des Paragraphen § 129a StGB als (gelinde gesagt) problematisch zu erachten? Is' recht, scheiß doch der Hund drauf.
(Und überhaupt, SpOn: "G-8-Gipfel"? Wenn ihr schon drei mutmaßliche Online-VolontärInnen unbeaufsichtigt eure Site aktualisieren lasst, dann guckt doch wenigstens nachher mal drüber. Oder ist das eure persönliche Rechtschreibreform? Vielleicht setzt es sich ja durch.)
Desweiteren beobachtet man eine besondere Manöverübung auf dem Schlachtfeld der Parteipolitik:
Vertreter von SPD, Union und FDP begrüßten das Urteil als eine Stärkung des Rechtsstaats, verteidigten aber das damalige Vorgehen der Generalbundesanwaltschaft.
Die Razzien sind zwar illegal, waren aber notwendig - danke für diese offenen Worte. In freier Wildbahn wären solch schizophrenen Auswürfe ein Fall für die Geschlossene.
Konkret- und personalisiert liest sich das so:
Es habe "gute Gründe" für die Razzien gegeben, sagte der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz, SPIEGEL ONLINE. Beim Abfackeln von Autos handele es sich schließlich nicht um "Murmelspielen". Das Urteil des BGH sei daher "keine Ohrfeige für Harms". Wohl aber sei es eine Aufforderung, künftig bei der Strafverfolgung noch genauer hinzuschauen. Man solle froh sein, dass der Rechtsstaat zu Korrekturen fähig ist, sagte der SPD-Politiker.
Mit ähnlicher Argumentation könnte man jener Politikerkaste, die derlei halbgaren Meinungsbrei vor den Pöbel pfeffert, deftige Tritte an die Sabberleiste verpassen, um künftig diesen himmelschreienden Unfug zu unterbinden. Aber man muss ja nicht gleich auf das gleiche Niveau sinken.
Merken wir uns einfach: alles, was kein Murmelspielen ist, kann als Terrorismus angesehen werden.
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Freitag, Oktober 19, 2007
Wer will denn da den Dritten Weltkrieg?
Der Online-Artikel auf jW ist wie so oft nur ein Wrack, wenn die ungeneigten Besuchenden nicht über ein Online-Abo verfügen, doch Titel und Textschnippsel sprechen gewohnt deutliche Worte. "Die Front steht: Bush stellt Weltkrieg in Aussicht", so die Headline, um dann im nächsten Halbsatz die mutmaßliche Quintessenz des Artikels vorwegzunehmen:
Es gehört ein lafontainscher Quadratwurzelschädel dazu, die Selbstbewaffnung des Irans mit Atomwaffen zu begrüßen - mit dem Argument, wenn Israel hat die Bombe, dann muß der Iran sie auch haben.
Daß es Ahmadinedschad mit der Vernichtung Israels ernst ist, darf man ihm ruhig glauben. Und allein die Drohung des Atomangriffs auf Israel, mit den passenden Waffen unterfüttert, wären tatsächlich "eine gefährliche Bedrohung für den Weltfrieden". Aber klar, die jW strickt flott noch ein Propaganda-Traktat daraus, welches folgerichtig und zum Wohle aller nur bereits indoktriniertem Fußvolk bereitgestellt wird.
Doch wie steht es wirklich um den Weltfrieden? Braucht jeder Antisemit die Bombe? Und wie war das mit der "friedlichen Nutzung" von Kernenergie? Atomarer Erstschlag, übernehmen Sie!
Es war keine Warnung, sondern eine Drohung, die US-Präsident Bush aussprach, als er die »politischen Führer der Welt« aufforderte, den Iran an der Entwicklung von Atomwaffen zu hin...Welch widerwärtigen Bushism hat denn der US-Präsi da wieder losgelassen? Laut SpOn diesen:
"Wir haben in Iran einen Führer, der erklärtermaßen die Zerstörung Israels will", sagte Bush und warnte: "Wenn Iran die Atombombe hätte, dann wäre dies eine gefährliche Bedrohung für den Weltfrieden."Um dies wie der Werner Pirker von der jW als Drohung zu verstehen, die USA werde den Iran, alsbald dieser über Atomwaffen verfüge, ins Steinzeitalter zurückbomben, müssen schon einige Defekte vorliegen.
Es gehört ein lafontainscher Quadratwurzelschädel dazu, die Selbstbewaffnung des Irans mit Atomwaffen zu begrüßen - mit dem Argument, wenn Israel hat die Bombe, dann muß der Iran sie auch haben.
Daß es Ahmadinedschad mit der Vernichtung Israels ernst ist, darf man ihm ruhig glauben. Und allein die Drohung des Atomangriffs auf Israel, mit den passenden Waffen unterfüttert, wären tatsächlich "eine gefährliche Bedrohung für den Weltfrieden". Aber klar, die jW strickt flott noch ein Propaganda-Traktat daraus, welches folgerichtig und zum Wohle aller nur bereits indoktriniertem Fußvolk bereitgestellt wird.
Doch wie steht es wirklich um den Weltfrieden? Braucht jeder Antisemit die Bombe? Und wie war das mit der "friedlichen Nutzung" von Kernenergie? Atomarer Erstschlag, übernehmen Sie!
Dienstag, Oktober 16, 2007
Totalitarismustheorie Reloaded: Stalin Putin
Es ist schon ein Kreuz mit der Technik. Kann vom Print- oder TV-Journalismus erwartet werden, daß sie solch esoterischen Internetmist wie "RSS Feeds" durchblicken? Na-türlich nicht.
Und so werden dann per RSS Reader (in diesem Fall: iGoogle (von Apple?)) solche originellen Knaller wie dieser hier kredenzt: "Der erste nach Stalin Putin im Iran". Im Artikel selber sehen wir, daß n-tv.de bei der (vermutlich automatisierten) Feed-Erstellung Über- und Unterschrift zusammenschweißt. Leider geht es nicht wie versprochen um die Nachfolge von Stalin Putin. Das Gipfeltreffen von Stalin Putin mit Hitler Ahmadinedschad ist das Thema ...
Das Einbinden eines trennenden Zeichens (":" oder "-" oder was) zwischen Überschrift und Untertitel übersteigt wohl die Fähigkeiten der TV-Leute. Schade eigentlich nicht.
Und so werden dann per RSS Reader (in diesem Fall: iGoogle (von Apple?)) solche originellen Knaller wie dieser hier kredenzt: "Der erste nach Stalin Putin im Iran". Im Artikel selber sehen wir, daß n-tv.de bei der (vermutlich automatisierten) Feed-Erstellung Über- und Unterschrift zusammenschweißt. Leider geht es nicht wie versprochen um die Nachfolge von Stalin Putin. Das Gipfeltreffen von Stalin Putin mit Hitler Ahmadinedschad ist das Thema ...Das Einbinden eines trennenden Zeichens (":" oder "-" oder was) zwischen Überschrift und Untertitel übersteigt wohl die Fähigkeiten der TV-Leute. Schade eigentlich nicht.
Mittwoch, Oktober 10, 2007
Herman und Kerner: Geht doch.
Nun sind wir quitt. Vor wenigen Jahren, an jenem 11. September 2001, war ich es, der Serenity Highsmith auf das mediale Großereignis aufmerksam machte, bevor es zu spät für die Liveberichterstattung war. Heute, just eben, war sie es, die, eifrige Teletextleserin, die sie nun mal ist, bei Johannes Beh Kerner länger verweilte als üblich und angemessen. Denn der Teletext wußte zu vermelden, daß Kerner die Eva Herman aus der Sendung kicken wird (ein Hoch dem unspontanen Aufzeichnungslaber-TV).
Gut, hier werden Äpfel mit Granatbirnen verglichen, wie kann man da von "quitt" reden? Alldieweil beim Fall Herman noch nicht gar so viele Todesopfer zu verzeichnen sind (von manchen den Freitod gestorbenen Hirnzellen einmal abgesehen). Sei es drum und dran, ich schweife ab. Zurück zum Thema.
Herman zeigte sich wie zu erwarten war völlig uneinsichtig, und fühlt sich zu Unrecht in die "rechte Ecke" gestellt, aber das hatten wir ja schon. Müßte man ihr nicht erklären, daß sie mitnichten zur Nazi ernannt wurde, daß aber ihr Familienbild aus allen Poren braune Soße tropft (novahell erleuchtet durch ihre Bewunderung fürs NS-Frauenbild)? Müßte man nicht, und Kerner macht's auch nicht (die anderen Gäste jedoch schon - netter Versuch, doch Hermans Miene versteinerte dabei zusehends).
Statt dessen wird die Berufsehre des Talkers verfochten, denn Herman hatte zwecks Selbstverteidigung von "gleichgeschalteter Presse" gebrabbelt. Dies, so Kerner nebst geladenem Histöriker, ist Nazidiktion, und da solle sie doch gefälligst aufpassen, wo sie doch in dieser Hinsicht schon auffällig geworden ist.
Über den Wahrheitsgehalt dieser kruden Verschwörungstheorie (die einen tatsächlich zu beobachtenden Sachverhalt zu beschreiben versucht, nur leider völlig falsch - aber ich schweife schon wieder ab) brauchen wir uns nicht zu unterhalten, denn viel interessanter ist der Vorwurf seitens Kerner. Es ist ja nun nicht so, daß die Nazis die Weimarer Presse als "gleichgeschaltet" bezeichnet hätten - vielmehr war es ihr Begriff für die auf Linie gebrachte und "gesäuberte" deutsche Presse. Leider (für Kerner) benutzt Herman den Begriff aber nicht positiv.
Andererseits werden moderne Nazis nicht müde, der deutschen Presselandschaft genau dies ebenfalls vorzuwerfen. Nur das war weder von Kerner noch vom Historiker zu hören. So wirkte es alles in allem tatsächlich wie ein mißgelaunter Versuch, Herman in der "rechten Ecke" festzunageln, weil zumindest Kerner sich wohl von dieser Aussage provoziert fühlte.
Der Rauswurf jedenfalls war denkbar unspektakulär. Die anderen Gäste - Senta Berger, Margarethe Schreinemakers und irgendein Comediangesicht - wollten nur nicht länger neben der uneinsichtigen Herman sitzen. Kann man verstehen, und Kerner auch, der prompt Herman "entlassen" hat (bin nicht mehr 100%ig sicher, ob dies seine genaue Wortwahl war - wäre schön, wenn). Eine Sternstunde der deutschen TV-Geschichte. Und das ist so wahr wie traurig.
Gut, hier werden Äpfel mit Granatbirnen verglichen, wie kann man da von "quitt" reden? Alldieweil beim Fall Herman noch nicht gar so viele Todesopfer zu verzeichnen sind (von manchen den Freitod gestorbenen Hirnzellen einmal abgesehen). Sei es drum und dran, ich schweife ab. Zurück zum Thema.
Herman zeigte sich wie zu erwarten war völlig uneinsichtig, und fühlt sich zu Unrecht in die "rechte Ecke" gestellt, aber das hatten wir ja schon. Müßte man ihr nicht erklären, daß sie mitnichten zur Nazi ernannt wurde, daß aber ihr Familienbild aus allen Poren braune Soße tropft (novahell erleuchtet durch ihre Bewunderung fürs NS-Frauenbild)? Müßte man nicht, und Kerner macht's auch nicht (die anderen Gäste jedoch schon - netter Versuch, doch Hermans Miene versteinerte dabei zusehends).
Statt dessen wird die Berufsehre des Talkers verfochten, denn Herman hatte zwecks Selbstverteidigung von "gleichgeschalteter Presse" gebrabbelt. Dies, so Kerner nebst geladenem Histöriker, ist Nazidiktion, und da solle sie doch gefälligst aufpassen, wo sie doch in dieser Hinsicht schon auffällig geworden ist.
Über den Wahrheitsgehalt dieser kruden Verschwörungstheorie (die einen tatsächlich zu beobachtenden Sachverhalt zu beschreiben versucht, nur leider völlig falsch - aber ich schweife schon wieder ab) brauchen wir uns nicht zu unterhalten, denn viel interessanter ist der Vorwurf seitens Kerner. Es ist ja nun nicht so, daß die Nazis die Weimarer Presse als "gleichgeschaltet" bezeichnet hätten - vielmehr war es ihr Begriff für die auf Linie gebrachte und "gesäuberte" deutsche Presse. Leider (für Kerner) benutzt Herman den Begriff aber nicht positiv.
Andererseits werden moderne Nazis nicht müde, der deutschen Presselandschaft genau dies ebenfalls vorzuwerfen. Nur das war weder von Kerner noch vom Historiker zu hören. So wirkte es alles in allem tatsächlich wie ein mißgelaunter Versuch, Herman in der "rechten Ecke" festzunageln, weil zumindest Kerner sich wohl von dieser Aussage provoziert fühlte.
Der Rauswurf jedenfalls war denkbar unspektakulär. Die anderen Gäste - Senta Berger, Margarethe Schreinemakers und irgendein Comediangesicht - wollten nur nicht länger neben der uneinsichtigen Herman sitzen. Kann man verstehen, und Kerner auch, der prompt Herman "entlassen" hat (bin nicht mehr 100%ig sicher, ob dies seine genaue Wortwahl war - wäre schön, wenn). Eine Sternstunde der deutschen TV-Geschichte. Und das ist so wahr wie traurig.
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Mittwoch, September 26, 2007
1000 Jahre taz
Was war 1974 doch für ein Jahr - eine Zeitenwende, würden manche sagen: Dungeons & Dragons und yours truly erblicken fast zeitgleich das Licht der Welt, Deutschland wird ausnahmsweise nicht Fußballweltmeister der Herzen, und Hermann Ludwig Gremliza beginnt seine Berufung als Herausgeber der KONKRET.
Nun ist sie bekanntlich 50, die KONKRET. Nach Studiblatt und Apo-Fanzine nun die publizistische Speerspitze einer seriösen Linken. Right? Wrong. Fragen Sie doch mal die taz.
Die aktuelle KONKRET bietet eingangs einen ansehnlichen Pressespiegel (angeführt von Schwesterzeitschrift Titanic), bei dem eben dieses grüne Beinahparteiorgan taz mehr als nur durch die schiere Ausführlichkeit auffällt. Die folgenden Zitate stammen zunächst aus dem Textchen "Das Gewissensmagazin" von Stefan Reinecke, welcher auch Gegenstand in der aktuellen KONKRET ist (entsprechend kurz wird es abgehandelt, Göttinseidank).
Erst einmal sind KONKRET-Lesende dumm wie Bohnenstroh, ja vermutlich gar dümmer als die grüne Basis.
Der Rest? Da gesellt sich Unterstelltes zu Fakten, Fakten, Fakten (z.B. Linkspartei). Wie schön einfach die Welt doch ist, durch die grüne Brille betrachtet.
Ein Zukunftsausblick darf nicht fehlen.
Dann sind da, und nun wird es, beim Thema KONKRET laut taz eigentlich unüblich, tagesaktuell, wenn wir einen Blick auf die heutigen (26.9.) "Irrwege der Kulturrevolution" von Alexander Cammann werfen.
Da wird zunächst mit der grünen Basis, wie bereits erwähnt ähnlich dumpfes Pack wie KONKRET-Lesende, abgerechnet:
Und: "menschenrechtszentrierte"? Dies' Wort sollten wir alle ab jetzt täglich gebrauchen, damit es am Ende das bekommt, was es verdient: den Titel "Unwort des Jahres 2008".
Doch weg von den Grünen, hin zum Thema:
Nun ist sie bekanntlich 50, die KONKRET. Nach Studiblatt und Apo-Fanzine nun die publizistische Speerspitze einer seriösen Linken. Right? Wrong. Fragen Sie doch mal die taz.
Die aktuelle KONKRET bietet eingangs einen ansehnlichen Pressespiegel (angeführt von Schwesterzeitschrift Titanic), bei dem eben dieses grüne Beinahparteiorgan taz mehr als nur durch die schiere Ausführlichkeit auffällt. Die folgenden Zitate stammen zunächst aus dem Textchen "Das Gewissensmagazin" von Stefan Reinecke, welcher auch Gegenstand in der aktuellen KONKRET ist (entsprechend kurz wird es abgehandelt, Göttinseidank).
Erst einmal sind KONKRET-Lesende dumm wie Bohnenstroh, ja vermutlich gar dümmer als die grüne Basis.
Denn wer konkret liest, erwartet nichts Neues, schon gar nichts Zeitgemäßes. Sondern nur die Wiederkehr der immer gleichen Botschaften.Nun sag uns aber bitte, lieber Herr Reinecke, um was für Botschaften es sich handeln mag.
Also: Fast alle Politiker in Deutschland sind nationalistische Trottel. Der deutsche Imperialismus ist nicht 1945 endgültig untergegangen, sondern quicklebendig. Die DDR war das bessere Deutschland. Deutsche sind meist Nazis oder zumindest Nationalisten - wenn nicht, wissen sie es bloß noch nicht. Die Grünen sind schon immer Verräter gewesen. Die Linkspartei besteht aus einem Haufen Nationalisten - und so weiter.Die Grünen: Verräter? Da wird in der taz (wie zu erwarten) der Grünen Partei, jenem Club rechts und links der SPD, die zuletzt immer die Unfähigsten aus ihrem Führungsreigen zur Doppeldumpfheit benennen, mehr Bedeutung zugemessen als ihr zusteht. Und genau darum geht es meist in KONREKT, wenn sie sich doch einmal dazu herabläßt, über jene Partei ein, zwei Seiten zu verlieren: aktuelle grüne Dümmlichkeiten.
Der Rest? Da gesellt sich Unterstelltes zu Fakten, Fakten, Fakten (z.B. Linkspartei). Wie schön einfach die Welt doch ist, durch die grüne Brille betrachtet.
Ein Zukunftsausblick darf nicht fehlen.
Und die nächsten 50 Jahre? Sehen für konkret nicht gut aus. Die Linke könnte zwar ein Blatt gebrauchen, das ihr ohne Rücksichtnahme in die Suppe spuckt. Aber nicht mit Gesinnungskanon und in diesem Bescheidwisserton.Alles falsch machen die von der KONKRET. Bis heute haben sie, im Gegensatz zur taz, noch nicht mal eine ordentliche Kampagne auf die Beine gestellt, die dem Aboschwund entgegenwirkt. Das darf nicht sein.
Dann sind da, und nun wird es, beim Thema KONKRET laut taz eigentlich unüblich, tagesaktuell, wenn wir einen Blick auf die heutigen (26.9.) "Irrwege der Kulturrevolution" von Alexander Cammann werfen.
Da wird zunächst mit der grünen Basis, wie bereits erwähnt ähnlich dumpfes Pack wie KONKRET-Lesende, abgerechnet:
Der menschenrechtszentrierte, bewaffnete Internationalismus, eine grüne Errungenschaft seit Srebrenica, wird über Bord gekippt, sobald Oskar Lafontaine die Backen aufbläst.Da machen sie sich den Buckel krumm, die grünen Funktionäre, erfinden Kriegslügen und Gräueltaten, nur um endlich in der Realpolitik ankommen zu können, und dann ist die Basis immer noch nicht gänzlich vom altbackenen Pazifismus befreit. Schande. Die Watschn Richtung Linkspartei muß sein, ist diese doch am meisten eine Gefahr für zukünftige rot-grüne Koalitionen.
Und: "menschenrechtszentrierte"? Dies' Wort sollten wir alle ab jetzt täglich gebrauchen, damit es am Ende das bekommt, was es verdient: den Titel "Unwort des Jahres 2008".
Doch weg von den Grünen, hin zum Thema:
"Wir leben in einer Zeit, in der Revolutionen nicht zu machen sind": Zu solch aufregend neuen Erkenntnissen gelangt Hermann L. Gremliza in der Jubiläumsausgabe von Konkret. Zweifel gehören dabei immer noch nicht zur geistigen Grundausstattung der Zeitschrift.Schönes Schlußwort. Bleibt festzuhalten: die taz ist neidisch auf KONKRET. Denn die KONKRET ist kein Parteiorgan. Schizoide Auswüchse wie bei der taz - die rot-grüne Regierung bei jeder Gelegenheit zu kritisieren, um dann bei Bedarf ordentlich Wahlkampf für sie zu veranstalten (und dabei noch den drögsten Antiamerikanismus zu bemühen) - sind nicht zu erwarten. Die taz selber würde solch unentschiedenes Wischiwaschi Zweifel nennen. Bitte sehr, gerne doch.
Donnerstag, September 20, 2007
Kriegserklärung für die Hamas!?
Spiegel Online läßt sich nicht lumpen (bzw. gerade doch) und schreibt sich angesichts der Androhung von "Einschränkung der Energie- und Treibstofflieferungen" von Israel Richtung Gaza folgendes ins Poesiealbum:
Aber SpOn wäre nicht SpOn, wenn es das schon gewesen wäre. Nixda:
Weiter im Text:
Zugabe gefällig?
Auf die morgige "junge Welt" darf man sich schon freuen. Wenn sie nicht einfach den SpOn-Artikel kopiert.
Für die radikal-islamische Hamas im Gazastreifen ist es eine Kriegserklärung, für Israel ein Signal, dass es keine weiteren Raketenangriffe aus dem Gazastreifen auf sein Territorium hinnehmen will.Oha, eine Kriegserklärung? Dann wird die Hamas nun wohl aufhören, mit Konfettikanonen zu ballern, und statt dessen zu Kriegsgerät greifen.
Aber SpOn wäre nicht SpOn, wenn es das schon gewesen wäre. Nixda:
Sollten die Sanktionen jedoch umgesetzt werden, wären die humanitären Konsequenzen für die Bevölkerung verheerend, sagt der Ökonom und ehemalige palästinensische Handelsminister Hasan Abu Libdeh. Die Wirtschaft des Küstenstreifens würde noch stärker zurückgeworfen.Genau das strebe die israelische Regierung an: Die Wirtschaft des Küstenstreifens wird noch stärker zurückgeworfen. Toll gebastelt, SpOn.
Genau das strebt die israelische Regierung an. Ein Black Out in Gaza, hofft man in Jerusalem, werde die Bevölkerung zum Sturz der Hamas anstacheln.
Weiter im Text:
Sie ["westliche Experten des internationalen Rechts"] betrachten den Gaza-Streifen weiterhin als besetztes Gebiet, weil Israel alle Grenzen, den Luftraum und die Küste kontrolliert. Zudem fallen israelische Truppen fast täglich in Gaza ein.Israelische Truppen fallen in Gaza ein. Einfach so. Weil sie es können und sonst nichts zu tun haben.
Zugabe gefällig?
Israel stehe nahe vor einer großen Militäroperation in Gaza, meint denn, schon fast etwas ungeduldig, Verteidigungsminister Barak.Ungeduldig? Blutdürstig müßte das heißen. Nächstes Mal dann.
Auf die morgige "junge Welt" darf man sich schon freuen. Wenn sie nicht einfach den SpOn-Artikel kopiert.
Mittwoch, September 05, 2007
Noch ein Zehnjähriges: "Mutter Teresa"
Vermutlich wird am kommenden Samstag erneut Veronica Mars aus dem Programm des ZDF gekickt: der Todestag von "Mutter Teresa" (MT) jährt sich heute zum zehnten Mal.
Über die Toten nur Gutes, so heißt es, und die FAZ hält sich dran. Der Artikel Zehnter Todestag von Mutter Teresa: „Sie ist immer bei uns“ befaßt sich, obwohl in der Rubrik "Hintergründe" verortet, wenig mit selbigen.
Doch zunächst hierzu. Christopher Hitchens zitiert MT wie folgt: "I'm not a social worker. I don't do it for this reason. I do it for Christ. I do it for the church."
Hitchens stand auch Penn & Teller, den liberalen Fundamentalisten mit eigener Fernsehshow ("Bullshit!"), Rede und Antwort in der Sendung über zweifelhafte Heilige (neben MT auch Mahatma Gandhi und der Dalai Lama) - auf YouTube in Auszügen hier und hier zu begutachten (Penn: "Christoperh Hitchens is to the Catholic Church and Mother Teresa what Michael Moore is to a ham sandwich.").
Über "Bullshit!" darf man denken, was man will (nicht nur Gutes, hoffe ich), jedoch ist dies ein weiterer Beleg dafür, daß MT alles andere als unumstritten ist. Das mag anläßlich dieses Jubiläums unpassend sein, doch wer schon zugesteht, daß es Kritik gab und gibt, tut gut daran, diese nicht durch die Brille der Heiligenverehrung zu sehen. Kein Wort der FAZ über die desaströsen Zustände im Sterbehaus in Kalkutta, keine Silbe über die Verschleierung der Mittelverwendung (immerhin zwei- bis dreistellige Millionenbeträge pro Jahr).
Der Vorwurf, MT und ihre "Missionarinnen der Nächstenliebe" würden nichts an den Ursachen der Armut ändern, ist ohnehin eine Scheinkritik. Ist dies nicht Usus bei der katholischen Kirche? Da könnte man genau so gut MTs Kirchenzugehörigkeit kritisieren.
Alles in allem ein maues Lüftchen von einem Artikel. Und die FAZ steht nicht alleine - ein weiteres Armutszeugnis für die deutsche Journaille. Vielleicht ist es an der Zeit, sie nach Kalkutta zu schicken.
Über die Toten nur Gutes, so heißt es, und die FAZ hält sich dran. Der Artikel Zehnter Todestag von Mutter Teresa: „Sie ist immer bei uns“ befaßt sich, obwohl in der Rubrik "Hintergründe" verortet, wenig mit selbigen.
Es ist diese Hilfe für Menschen, die sonst niemanden haben, die Mutter Teresa weltberühmt machte, deretwegen sie „Engel der Armen“ genannt und schon zu Lebzeiten wie eine Heilige verehrt wurde. Aber es gab immer auch scharfe Kritik an der charismatischen Katholikin. In Wahrheit wolle sie nur Menschen zum Christentum bekehren, warf man ihr vor. Und vor allem änderten sie und ihr Orden nichts an den Ursachen der Armut. Sie holten zwar Sterbende aus der Gosse, sorgten aber nicht dafür, dass niemand mehr in ein solches Elend abstürze.Kritik an MT wird genannt, aber unvollständig bis verfälschend. "Sie holten zwar Sterbende aus der Gosse" - "zwar", schreibt die FAZ, und ließe man es weg wäre man bei einem viel schwerwiegenderen Kritikpunkt als MTs Missionierungsschwerpunkt.
Beide Vorwürfe weist Schwester Nirmala, die Nachfolgerin Mutter Teresas, zurück. „Wir dienen den Ärmsten der Armen. Es spielt keine Rolle, welcher Religion sie angehören“, sagte sie kurz nach dem Tod der Ordensgründerin. „Unsere Rolle ist es, uns um Einzelne zu kümmern, um die, die durch die Maschen fallen, die Ausgestoßenen.“
Doch zunächst hierzu. Christopher Hitchens zitiert MT wie folgt: "I'm not a social worker. I don't do it for this reason. I do it for Christ. I do it for the church."
Hitchens stand auch Penn & Teller, den liberalen Fundamentalisten mit eigener Fernsehshow ("Bullshit!"), Rede und Antwort in der Sendung über zweifelhafte Heilige (neben MT auch Mahatma Gandhi und der Dalai Lama) - auf YouTube in Auszügen hier und hier zu begutachten (Penn: "Christoperh Hitchens is to the Catholic Church and Mother Teresa what Michael Moore is to a ham sandwich.").
Über "Bullshit!" darf man denken, was man will (nicht nur Gutes, hoffe ich), jedoch ist dies ein weiterer Beleg dafür, daß MT alles andere als unumstritten ist. Das mag anläßlich dieses Jubiläums unpassend sein, doch wer schon zugesteht, daß es Kritik gab und gibt, tut gut daran, diese nicht durch die Brille der Heiligenverehrung zu sehen. Kein Wort der FAZ über die desaströsen Zustände im Sterbehaus in Kalkutta, keine Silbe über die Verschleierung der Mittelverwendung (immerhin zwei- bis dreistellige Millionenbeträge pro Jahr).
Der Vorwurf, MT und ihre "Missionarinnen der Nächstenliebe" würden nichts an den Ursachen der Armut ändern, ist ohnehin eine Scheinkritik. Ist dies nicht Usus bei der katholischen Kirche? Da könnte man genau so gut MTs Kirchenzugehörigkeit kritisieren.
Alles in allem ein maues Lüftchen von einem Artikel. Und die FAZ steht nicht alleine - ein weiteres Armutszeugnis für die deutsche Journaille. Vielleicht ist es an der Zeit, sie nach Kalkutta zu schicken.
Freitag, August 17, 2007
Mittwoch, Juli 11, 2007
Wahrheiten ohne Ende (2)

Anläßlich der dritten Wahrheitsanzeigenserie der BILD (Fortsetzung von diesem hier, und querverweislich zum spitzboubenblog).
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Montag, Juni 11, 2007
Hamas vs Hamas
Die "viertbeste Tageszeitung der Welt" (Thadens (Ex-) Meinung) berichtet exklusiv wie üblich:
Hamas tötet Generalsekretär der Hamas? Religiöse Fanatiker sind bekanntlich zu allem fähig, auch zur Selbstzerfleischung. Klare Sache, das. Noch bevor die Seite geladen ist, und man nur die Überschrift aus dem RSS-Reader kennt, beginnen sich Theorien zu formen: was hat jener "Generalsekretär" (hamse sowas?) wohl verbrochen, daß seine Kumpels sich genötigt sahen, ihn aus der Welt zu schaffen? Schweinefleisch gegessen? Ein Portrait von Mohammed im Portemonnaie rumgeschleppt? Behauptet, die Juden seien vielleicht nicht an allem Übel in der Welt schuld? Man darf gespannt sein.
Doch dann, die Enttäuschung:
Versteht sich von selber, daß ein 1a-Blättchen wie die Süddeutsche einen derart mauen Witz nur für wenige Stunden online hält, gelle? Hence the screenshot, sonst glaubt mir das morgen wieder keiner...
(Nachtrag: Ganze 41 Minuten dauerte der Spuk. Nun tötet die Hamas den Generalsekretär der Fatah auch in der Überschrift.)
Vorschlag an die sueddeutsche.de: warum nicht mal die halbe Wahrheit statt keiner? Beispielsweise könnte anhand des medienwirksamen Überlaufs einiger Juso-Würstchen zur Linkspartei folgende Überschrift euren Artikel zieren: SPD tritt aus SPD aus.
Hamas tötet Generalsekretär der Hamas? Religiöse Fanatiker sind bekanntlich zu allem fähig, auch zur Selbstzerfleischung. Klare Sache, das. Noch bevor die Seite geladen ist, und man nur die Überschrift aus dem RSS-Reader kennt, beginnen sich Theorien zu formen: was hat jener "Generalsekretär" (hamse sowas?) wohl verbrochen, daß seine Kumpels sich genötigt sahen, ihn aus der Welt zu schaffen? Schweinefleisch gegessen? Ein Portrait von Mohammed im Portemonnaie rumgeschleppt? Behauptet, die Juden seien vielleicht nicht an allem Übel in der Welt schuld? Man darf gespannt sein.Doch dann, die Enttäuschung:
Kämpfer der radikal-islamischen Hamas haben den Generalsekretär der rivalisierenden Palästinenserorganisation Fatah, Dschamal Abu Dschidian, im Gazastreifen getötet.Fatha-, nicht Hamas-Sekretär umgelegt. Da ist die Welt doch wieder in Ordnung.
Versteht sich von selber, daß ein 1a-Blättchen wie die Süddeutsche einen derart mauen Witz nur für wenige Stunden online hält, gelle? Hence the screenshot, sonst glaubt mir das morgen wieder keiner...
(Nachtrag: Ganze 41 Minuten dauerte der Spuk. Nun tötet die Hamas den Generalsekretär der Fatah auch in der Überschrift.)
Vorschlag an die sueddeutsche.de: warum nicht mal die halbe Wahrheit statt keiner? Beispielsweise könnte anhand des medienwirksamen Überlaufs einiger Juso-Würstchen zur Linkspartei folgende Überschrift euren Artikel zieren: SPD tritt aus SPD aus.
Montag, Juni 04, 2007
Er spricht für die Statistiker dieser Welt...
... und hat die Statistiken noch nicht einmal selbst gefälscht. Traue nie einer Statistik, die du nicht... aber lassen wir das.Michael Holmes von der Achse des Guten hat folgendes zur Gipfelkaffeeklatsch und dem Protest der Teetrinkenden zu sagen:
Sie sprechen für die Armen dieser Welt...Ja, Statistiken sind gerne vielsagend, das macht sie als Mittel so beliebt. Fast hätte ich "beliebig" gesagt, doch dafür reicht meine VWL noch, daß ich solcherlei Geheimnnisse der Statistik nicht in der Öffentlichkeit ausplaudere. Also weiter im Text:
...und die können sich nicht wehren! Deshalb ist in diesen Tagen, in der sich die Gegner der Globalisierung als die Stimme derer ohne Stimme aufspielen, an die vielsagenden Meinungsumfragen zum Thema zu erinnern.
Marktwirtschaft und große Konzerne sind nämlich in den Entwicklungsländern beliebter als im reichen Westen, ja, am beliebtesten sind sie im armen Afrika.Ist das so? Ich meine, muß das so? Ja oder nein?
Nein, die Globalisierungskritiker sprechen weder mit noch für die Armen dieser Welt - es sei denn, diese gehören zur Minderheit derer, die ihnen sagen, was sie hören wollen. Zwischen dem großen Rest und ihnen steht ein unsichtbarer Zaun. Ein Zaun, der länger, höher und sehr viel gefährlicher als das langweilige Ding ist, gegen das sie die nächsten Tage empört ihre Kochlöffel und Betonköpfe hauen werden. Man kann das ideologisch nennen. Jedenfalls ist es zum Erbrechen elitär.Ein unsichtbarer Zaun ist nicht ideologisch, er ist allegorisch. Müden Witz beiseite, an dieser Stelle fragen wir uns, wer denn um Himmels Willen den "Armen dieser Welt" (die sicher nur in der "Dritten Welt" zu finden sein werden, meinetwegen noch hier und da in der zweiten, gelle?) das Megaphon in die Hand drückt, damit sie endlich unbefreit und mit eigener Stimme ihre wahrlich wirkliche Meinung jetzt und für immerdar in die Welt hinausposaunen? Wir ahnen es schon: die Statistik.
Der Rest des Beitrags besteht dann auch aus purer Quellenangabe, zitiert nach diesem und jenem. Exemplarisch hier ein paar Eindrücke.
Consistent with their support for globalization Africans have a positive view of global corporations. A very large majority (73%) favors large foreign countries coming into their country and setting up operations there."Consistent with their support for globalization"? Andersrum wird ein Schuh draus: Wer weder Arbeit noch Sozialstaat noch andere Möglichkeiten der Überlebenssicherung besitzt, wird sich freuen, wenn riesige Firmen aus anderen Nationen riesige Fabriken bauen - das nennt sich Globalisierung. Und wenn diese zum Überleben hilft, findet man die gut.
Africa is where respondents are most likely to say globalization is a “good thing” for their country (71%). Only nine percent say it is bad and 11 percent say neither. Oil-rich Nigeria is the most positive of the ten countries pollled in Africa: 76 percent of Nigerians call globalization good.Da fragt man sich, warum gerade in Nigeria derart viele Globalisierungsfans leben, und findet die Antwort im Text - wow.
Schön übrigens, daß Holmes uns das einleitende Fazit des ersten Berichts unterschlägt: "Poll Finds Africans Favorable Toward Globalization, But Think Rich Countries Are Not Treating Them Fairly". Auch schön zu wissen: "The study was sponsored by the World Bank and the Royal African Society." Zum Glück und Göttinseidank ist es ja nicht so, daß derlei Umfragen erhöhte Rücksicht auf die Auftraggebenden nehmen müssen. Und mitnichten kann es so sein, daß die Fragen auch nur den klitzekleinsten Hauch suggestiv gewesen sein könnten oder wollten. Da dies unmöglich sein könnte (da nicht sein kann, was nicht sein darf), haben die lieben Leut' von "World Public Opinion dot Org" den Umfragebogen nicht veröffentlicht. Wer mag es ihnen verübeln?
(Nachtrag und Einschub: Gerade bei Ja/Nein-Antworten ist es fast ein Ding der Unmöglichkeit, mit der Art der Fragestellung nicht bereits in die eine oder andere Richtung zu gehen. Zudem tendieren die meisten Menschen zu positiven Antworten - es ist also von Vorteil, die Frage so zu stellen, daß die vom Umfragenden präferierte Antwort diejenige ist, die mit "Ja" zu beantworten ist. Wer beispielsweise fragt "Finden Sie die Globalisierung gut?", kennt die Tendenz der Antworten bereits im Vorfeld. Ein weiterer Faktor sind die Fragestellenden - es sind andere Ergebnisse zu erwarten, wenn die Umfrage von blondierten Typen in Nadelstreifen durchgeführt wird. Unter anderem, weil die Erfüllung von Erwartungen durch die Beantwortenden eine Rolle spielt. Et cetera, et cetera.)
Abschließend:
Never trust to general impressions, my boy, but concentrate yourself upon details. (Sherlock Holmes)
Soviel hierzu von JT Firefly, der weder die Globalisierung für etwas auch nur annähernd neues hält, noch wirklich ein Gegner derselben ist. Nur wenn es um Statistik geht, da wird er vorsichtig.
Sonntag, Juni 03, 2007
Blaues Wunder? - Nachtritt
Fortsetzung vom letzten Beitrag, in Anbetracht eines Kommentars auf Spiegel Online von Reinhard Mohr namens Biedermänner und Brandstifter - Wie politische Naivität den Gewalttätern hilft. Und was schreibt uns der Mohr ins Gästebuch? Bei dem supercoolen Protest-Event mit Open-Air-Konzert störte am Schluss eigentlich nur noch die Regierung, die selbstverständlich für alles Böse verantwortlich gemacht wird: den G-8-Gipfel selbst, den Zaun, die Sicherheitszone, die Razzia, die Geruchsproben, die Kontrollen, die vielen Polizisten.In Wahrheit war es natürlich Christian Ströbele, der die Sicherheitszone errichtet hatte, um sich anschließend vor selbiger ablichten zu lassen (die Geruchsproben jedoch waren ganz ganz sicher nicht seine Idee). Der Zaun stammt vermutlich von den Israelis, da sind sich Spiegelautor und Protestierende vielleicht einig. "Die Regierung" jedenfalls war es nicht, so viel steht fest:
Nun kann man mit guten Argumenten über Angemessenheit und Rechtsgrundlage jener Razzia der Bundesanwaltschaft streiten, bei der jüngst vierzig Wohnungen und Büros "autonomer" Gruppen durchsucht wurden; man kann auch "Geruchsproben" für instinktlos und den riesigen Sicherheitsaufwand für übertrieben oder sogar irre halten - ganz grundlos war das alles offensichtlich nicht.Übersetzung: wo gehobelt wird, fallen Späne. Auf die Idee, daß eine übertriebene und vorauseilende Kriminalisierung nicht dazu beiträgt, Proteste in friedliche Bahnen zu lenken, kam der Autor offenbar nicht. Dabei war das schon immer so, und wir wohl auch immer so sein. Gewaltspirale schimpft sich das.
Jedoch, hüben wie drüben sind klare Schuldzuweisungen gefragt:
Im Übrigen eine deutsche Tradition: Über den Wassern schwebt der hehre Geist des Guten, während drunten (oder hinten) die Völker hässlich aufeinander schlagen. Im Zweifel bleibt der Geist rein, nur die Wirklichkeit will sich leider nicht nach ihm richten und macht Schmutz. Ein Wolkenkuckucksheim des guten Gewissens. Und ein geschichtsloses dazu.Sprach der Spiegelredakteur aus dem Wolkenkuckucksheim der rechtschaffenden Bourgeoisie.
Wer Bush, Blair, Prodi, Sarkozy, Merkel & Co. bloß für "Gangster" und "Verbrecher" oder reine Funktionsträger eines mörderischen Systems hält, wird kaum inhaltliche Forderungen an sie stellen. Wer dies aber tun will, muss sie erstmal tagen lassen, als demokratisch gewählte Repräsentanten ihrer Völker.Merke: selbst wenn die Demo trotz allem friedlich verlaufen wäre, sie hätte noch gar nicht stattfinden sollen - erst mal abwarten, was die Vertretung von Völkers Gnaden betagt haben. Nur weil "die Regierung" nicht in der Lage ist, aus vergangenen Gipfelprotesten zu lernen, hat die "Gegenseite" auch nicht aus vergangenen Gipfelergebnissen zu lernen? Doch weiter im Text:
Das [der unverständliche Hinweis auf gebotene Zurückhaltung weil gewählte Vertretungen; Anm. d. Übersetzers] ist eigentlich ganz einfach zu verstehen. Aber längst hat sich die "Gipfel-Dramaturgie" 2007 verselbstständigt, wozu die Massenmedien nicht wenig beitragen. Seit Wochen liegt ein fast hysterisches "High-Noon"-Gefühl in der Luft, und die Erwartungen, gute wie böse, werden im Tages-, ja Stundenrhythmus auf der nach oben offenen G-8-Skala weiter gedreht.Und wer dreht mit? Der Reinhard Mohr vom Spiegel. Denn der betreibt ebenfalls eine Schwarz-Weiß-Malerei, nur eben negativ zu den Gipfelgegnern.
Ein Hoch den einfachen Antworten. Wem's gefällt.
P.S: "Dank" an diesen Kommentar aus dem Fuchsbau: Hallo Gideon! Wir brauchen mehr gute Beiträge von Dir und anderen über die sog. G-8-Gegner. Einen guten Kommentar über die linksfaschistischen Krawallproleten und SA-Nachfolger "AUTONOME" gibt es bei SPON von Reinhard Mohr: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,486343,00.html
Gruß Hans Hamburg
Uh, lol? Ich nehme mal an, lieblicher HH (?!), daß du beliebst zu scherzen. Nur: wo ist der Witz? In der denkbar plumpen Rechtsgleichlinks-Rhetorik, oder in der Benennung des Schreibwerk des Ex-PflasterStrandlers Mohr als "guten Kommentar"? Mir ist beides recht (also link?).
Dein JT Firefly von der Reichspropagandaleitung
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Blaues Wunder?
Es tut sich was in Heiligendamm: während einer Großdemonstration anläßlich des G8-Gipfel sind laut Medien 500 Personen verletzt worden, 433 davon Polizisten. Exemplarisch ließt sich dies so: Bei den Ausschreitungen am Rande der friedlichen Demonstration zehntausender Menschen gegen den bevorstehenden Gipfel waren am Samstag in Rostock nach neuesten Angaben vom Sonntagmorgen rund 500 Menschen verletzt worden. Den Angaben zufolge wurden 433 Polizisten verletzt, 30 von ihnen schwer. Bei den schwersten Verletzungen habe es sich um offene Knochenbrüche gehandelt, sagte ein Polizeisprecher. Die genaue Zahl der verletzten Demonstranten war dagegen weiterhin unklar. (Netzeitung)Ergo sind nicht rund 500 Menschen verletzt worden, sondern mindestens - es ist doch recht unwahrscheinlich, daß die Phalanx der Polizei das Gros der Prügel bezogen hat.
Das ist der Gipfel? Die story so far der medialen Berichterstattung erinnert an den Wile E. Coyote, der den Road Runner endlich erwischen will, und Kriegsgerät der ACME Corp. einsetzt (wie passend). Dies geht, wie könnte es anders sein, nach hinten los.
Erinnert sich noch jemand an das Getöse Richtung Russland, wie rüpelhaft dort mit Systemkritikern und -gegnern umgegangen werde, und Putins Retourkutsche bezüglich der Präventiveinknastungen vorm G8-Gipfel? (Antwort: Ja.)
Es braucht jedenfalls niemanden groß wundern, daß die "autonome Szene" nun eins auf Krieg macht - sowas kommt von sowas, und nennt sich gemeinhin Eskalation.
Man mag über Gewalt denken, was man will - nein, man hat sie gar eklig zu finden. Doch eine derart einseitige Sicht der Dinge (Polizei als vom Panzer überfahrene Sitzblockade) ist am Ende nur eins: Propaganda.
Donnerstag, Mai 31, 2007
Hirn statt Manna, bitte.
Spiegel Online hat es gut: fadenscheinige Überschrift-Appetizer gehören hier zum guten Ton. Aktueller Auswurf: "Pakistan: Christ wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilt". Oha, denkt man sich da, vermutlich hat der Christ Allah nicht Allah genannt. Doch weit gefehlt, die Gotteslästerung ist gar keine, wie bereits der erste Satz offenbart: Ein pakistanisches Gericht hat einen Christen zum Tode verurteilt. Er soll sich abfällig über den Propheten Mohammed geäußert haben.Würde der SpOn-Redaktion vorschlagen, in Zukunft einen weiten Bogen um Pakistan zu machen, nachdem sie Gott und Mohammed gleichgesetzt haben - eine tödliche Beleidigung für Mohammed, will ich meinen.
Auch schön ist der Artikelabschluß:
Menschenrechtsgruppen kritisieren, die Blasphemiegesetze des muslimischen Landes würden von Fundamentalisten missbraucht, um religiöse Minderheiten zu verfolgen.Diese unmenschlichen Schweinsverächter-Fundis erdreisten sich doch wirklich, die lust'gen Blaspehmiegesetze zu mißbrauchen!! Sachen gibt's, die gibt's wirklich.
Quasi zeitgleich ereilte mich folgender Spam, der zumindest ansatzweise zum selben Thema (Irrsinn) paßt:
Hallo Freunde,Mein H.W. Spice schickt seine Mails übrigens via MaxSchultz@gmx.de. Der Link offenbart die Vornamen als Heinz Walter, der dortig unter anderem folgendes zusammenfassend vom Leder reibt (und endlich Klarheit um Sinn und Zweck der doch reichlich wirren Mail zu schaffen):
der an Schärfe zugenommene Feldzug der deutschen Evolutionsbiologen, mit der Zielstellung, gegen alle modernen Erkenntnisse von Forschung und Wissenschaft zu Felde zu ziehen und das nur aus dem Grund heraus, den persönlichen Erfolge nicht in Frage zu stellen, sollten uns alle zum Widerstand aufrufen.Prinzipiell ist die Darwinsche Evolutionstheorie mit ihrer Grundaussage, dass natürliche Selektion und zufällige Mutationen für die Entstehung und Weiterentwicklung des Lebens verantwortlich seien, weder mit der Realität noch mit allen neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen im Einklang zu bringen, mehr noch, sie ist schlicht und einfach falsch. Sollten Sie anderer Meinung sein, verweise ich auf meine Homepage http://mitglied.lycos.de/futuremann/.
Führende Kirchenvertreter aller Konfessionen befassen sich in öffentlichen Foren mit Teilen der Evolutionstheorie und gehen dabei soweit, dass sie sich ein Nebeneinander von Schöpfung und Evolution vorstellen können, obgleich es in der Genesis keinen Spielraum für Theorien jedweder Art gibt. Natürlich stellt sich man sich die Frage nach dem warum, vielleicht haben sie ihre Bibel nicht genügend studiert, wie dem auch sei, ein führender Vertreter einer Kirche sollte diesen Unsinn einfach nicht erwähnen. Beim Bibelstudium gibt es ja auch ganz erstaunliche Ergebnisse, denn die Kreationisten, die das Alter der Erde auf 6000 Jahre berechneten, stellen damit Basiserkenntnisse der Forschung auf den Kopf.
Selbstverständlich ist die Bibel kein Dokument, aus dem man durch Addition von Zeitangaben Rückschlüsse auf das Alter der Erde, der Menschheit oder den Beginn des jüngsten Gerichts vorhersagen kann.
Das will und kann die Bibel nicht leisten.
Zum Abschluss meiner Kurzmitteilung ein abgewandeltes Zitat: „Was nützt es dem Menschen,wenn er zwar an Gott glaubt, doch seinen einzigen Sohn negiert?“
Mit freundlichen Grüßen
Ihr H.W. Spice
Eine Evolution im Darwinschen Sinn, also die Entstehung von Leben aus toter Materie, ist nur vorstellbar, wenn man alle hier aufgeführten Beweise und Gesetzmäßigkeiten für null und nichtig erklärt und sie außer Kraft setzt.Mein H.W. Spice, verwechselst du nicht Evolutionstheorie mit Deszendenztheorie? Wenn überhaupt? Mal ehrlich: ist der Dank, daß ich mich in diesem Blog als Atheisten oute, eine Überfütterung mit christlichem Unsinn? Ich denke: ja.
Die Ehre, diesen Planeten mit Leben erfüllt zu haben, gehört nur Gott, und wahrhaftig niemand anderem.
Also schreib nur weiter meterdicke Traktate über die göttliche Beschaffenheit der Welt - für einen flotten Lacher zwischendurch bin ich immer dankbar. Vielleicht nimmst du, mein H.W. Spice (darf ich "Futuremann" zu dir sagen?), dir als nächstes die Gravitationstheorie vor, denn erstens ist das ja auch nur eine Theorie, und zweitens ist's ja der Christengott, der mit schwerem Finger alles an den Boden pinnt. Korrekt?
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Samstag, Mai 26, 2007
Gott ist an allem schuld?!
Anläßlich des aktuellen Spiegel-Titelbildes ("Gott ist an allem schuld!" - Der Kreuzzug der neuen Atheisten) ist es wieder an der Zeit, in betont sachlicher Art und Weise einen offenen Brief ins WWW zu stellen. Bittesehrdankeschön:
Liebe Kulturkrieger und -kriegerinnen der Spiegel-Redaktion,
toller Titel, das. Nur fragt man sich, wie weihrauchbedröhnt ihr Knallchargen bereits vor dem Wochenende seid (wartet gefälligst bis Sonntag, wie's sich für ordentliche Christen gehört). Denn erstens macht noch nicht mal der Christenfresser Richard Dawkins Religion für alles verantwortlich ("Roots of all evil?" - man beachte das Fragezeichen). Zweitens würde mich interessieren, wie viele Opfer dieser Mega-Kreuzzug bisher gekostet hat (Antwort: null, nicht?). Drittens, und ich schreib das mal in Fett, damit ihr chronischen Textüberflieger es auch sicher mitbekommt:
Gott ist an nichts schuld. Genau so wenig wie beispielsweise Darth Vader oder Sauron.
Ihr versteht, worauf ich hinaus will? Vermutlich nicht. Gesagt werden muß es euch offensichtlich trotzdem.
Gruß und Amen,
JT Firefly
Liebe Kulturkrieger und -kriegerinnen der Spiegel-Redaktion,
toller Titel, das. Nur fragt man sich, wie weihrauchbedröhnt ihr Knallchargen bereits vor dem Wochenende seid (wartet gefälligst bis Sonntag, wie's sich für ordentliche Christen gehört). Denn erstens macht noch nicht mal der Christenfresser Richard Dawkins Religion für alles verantwortlich ("Roots of all evil?" - man beachte das Fragezeichen). Zweitens würde mich interessieren, wie viele Opfer dieser Mega-Kreuzzug bisher gekostet hat (Antwort: null, nicht?). Drittens, und ich schreib das mal in Fett, damit ihr chronischen Textüberflieger es auch sicher mitbekommt:
Gott ist an nichts schuld. Genau so wenig wie beispielsweise Darth Vader oder Sauron.
Ihr versteht, worauf ich hinaus will? Vermutlich nicht. Gesagt werden muß es euch offensichtlich trotzdem.
Gruß und Amen,
JT Firefly
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