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Montag, September 27, 2010

Anderthalb Päckchen Billigtabak

Um den faulen Pöbel nicht permanent in der wohl wattiertend sozialen Hängematte fest zu kleben, macht die rechts-reaktionäre Regierung das, was in solchen Fällen auch Links-Reaktionäre zu tun pflegen: nix. Hartz-4-Faulenzer bekommen zu wenig zum Leben, zu viel zum Untot? Gar perfekt, denn dann können wir mit denen ...? Eben: alles machen. Huzzah!

Nun sollen es fünf Euro im Monat mehr werden, und das Geschrei ist groß. Doch nicht zu üppig sei die Erhöhung, sondern zu mickrig. Sachen gibt's. Fünf Euro sind wirklich nicht die Welt, dass mus sogar yours truly zugestehen (auch wenn für ihn ein Fünferlappen im Monat gerade mal eine Einkommenssteigerung von 0,05 Promille wäre).

Doch halt! Hammerzeit. So einfach werden aus fünf Euro 9,90 Euro: Statt die überdimensionierte externe 1 TB für 69,90 zu ordern, einfach die 500 GB für 65 Euro kaufen. Und schon sind aus 1,5 Päckchen Tabak mehr pro Monat (dem guten sanften von Kaiser's (sic!) ) derer drei geworden. Da raucht sich gleich viel entspannter. Beim Selberdrehen dann einfach mal den Medienstream auf Pause setzten, und der verringerte Speicherplatz fällt am Ende des Montas nicht ins Gewicht.

So einfach kann es sein, leere Politikworthülsen mit leicht verständlichem und einsichtigem Inhalt zu füllen. Vielleicht mag von der die das Leyen (51, CDU) jenes Rechenbeispiel ab Morgen zur Anwendung bringen, damit die faulen Säcke und Säckinnen auch kapieren, was sie mit "gerecht" meint.

Dienstag, September 07, 2010

Von unbequemen Wahrheiten: das Fällchen Sarrazin

Das wird man ja wohl noch sagen dürfen: wer von Juden- und Basken-Genen spricht, ist Rassist. Aber aber aber, der mutige Recke Sarrazin streitet für ein "sauberes" Deutschland, und schreibt sich so in Volkes Herz. Volkes Meinung wird - wie üblich, wenn es um Bücher geht - auf Amazon zum Ausdruck gebracht. Lektüre lohnt - wie üblich, wenn es um Volkes Meinung geht - nicht. Ergo kein direkter Link. Wer die Bildzeitungstitel zum Thema im Vorübergehen erblickte, weiß ohnehin, was dort zu lesen ist.

Meinungsfreiheit, so viel haben wir von der Bild und dem Feedback des Pöbels gelernt, ist ein herrlich-paradox einseitige Medaille. Denn Thilo Sarrazin hat das Recht, seinen Müll in Buchform gepresst unter die Leute zu schmeißen, doch Kritik ist nicht gestattet. Newsflash: Zur freien Meinungsäußerung gehört auch die Gegenseite.

Wirklich wundern muss man sich über nichts: wie Sarrazin tickt [nicht richtig]; dass die Bildzeitung das übliche yellow press-Clichée bedient und dem Demagogen schützend zur Seite steht; wes Geistes Kind das Gros der Deutschen ist.

Alter Wein in alten Schläuchen. Doch, zugegeben: im Abgang schmeckt dieser von Mal zu Mal mehr nach Essig.

Donnerstag, Oktober 15, 2009

Gegen Killerspiele: Schuss nicht gehört.

Killerspiele sind der Deutschen liebster Sündenbock, wann immer ein depperter kleiner Schützenbruder nicht mehr nur auf Kunsthähnchen ballern wollte. Als wäre das nicht schon derbdeppert genug, geht das "Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden" einen großen Schritt weiter.

"Familien gegen Killerspiele" nennen sie ihre Aktion, dessen Plakat hier rechts abgebildet ist. Der Aufruf im Internet:
Zu der Veranstaltung am Samstag, 17. Oktober 2009 steht auf dem Platz vor der Staatsoper in Stuttgart ein Container bereit. Gesammelt werden Spiele, die das Töten von Menschen simulieren!.
Bei dieser Aktion, die von 10 Uhr bis 19 Uhr stattfindet, ist eine Lostrommel aufgestellt. Direkt nach dem Einwurf können die Personen ein Los ziehen. Hauptgewinn ist ein Trikot der deutschen Fussball-Nationalmannschaft auf dem sich die Unterschriften des aktuellen Kaders befinden. In diesem Trikot haben sich die Kicker erst am vergangenen Wochenende für die WM in Südafrika qualifiziert.

Dort wird also ein Container bereit gestellt, in welchen besorgte Eltern "Spiele, die das Töten von Menschen simulieren" werfen sollen. Und machen so gefährlich falsch, was man gefährlich fälscher nicht machen kann. Für die ganz Dummen (Hallo, Aktionsbündnis) hier ganz langsam zum Mitschreiben und bei Adam und Lilith angefangen:

1. Das Problem der amoktisierten Jugend auf sog. "Killerspiele" zu reduzieren, ist billig und unschlüssig.
2. Woher, um Discordias Willen, habt ihr auf einmal all die "Killerspiele" her? Liebe, ihren Erziehungsauftrag vernachlässigende Eltern: wenn das nicht eure eigenen Games sind, die ihr dort in die Tonne treten wollt, dann ab in die Volkshochschule. Buchstaben und Zahlen lesen können reicht alleine nicht, man muss es auch verstehen können. Newsflash: beim mittlerweile 1/4 des Covers einnehmenden "FSK 18"-Symbol handelt es sich nicht um das noch nicht abgeknibbelte Preisschild.
3. Treffen, um in aller Öffentlichkeit Medien zu vernichten? Erinnert euch das nicht an irgend etwas? Falls nicht, nachlesen. Aber mit dem Leseverständnis ist es, wie wir bereits festgestellt haben, ja nicht allzu weit her.
4. Games sind keine Bücher? Is' scho' recht. Hauptsache, ein dahergekrochenes Aktionsbündnis masst sich an, zwischen werten und unwerten Medien zu richten. Auch das könnte euch an etwas erinnern, wenn nicht jedwede Bildung an euch verloren wäre.
5. "Killerspiele" verderben unsere Jugend, aber Fußball ist ein einziges Freudenfest, Ringelpietz mit Anfassen, Blümchen im Haar und Zitronenlimo im Patschehändchen? Oh, hab's vergessen: Balltreten ist in diesem Land / seit 1000 Jahren sakrosankt.
6. Das Symbol rechts oben auf eurem Plakat ... wollt ihr damit ... könnt ihr ... was ... ? Zum ersten Mal in meiner mittlerweile 17jährigen Blogger-"Karriere" bin ich buchstäblich sprachlos.

Dreißig Sekunden, bevor entrüstete Eltern mir vorwerfen, dass ich weit übers Ziel hinaus geschossen bin. 10, 9, 8, ... nur raus mit der Sprache, ich freu mich drauf.

Freitag, September 25, 2009

Alle versteuern.

Die "Linkspartei" fordert auf Plakat: "Reichtum für alle". Und folgerichtig möchte sie ebenfalls: "Reichtum besteuern".

Über diesen populistischen Spagat sind bereits genug Worte verschwendet worden. Nur noch so viel: Hat jemand anderes erwartet? Nur so kann die "Überwindung des Kapitalismus" bewerkstelligt werden.

PS: Zum nun wirklich letzten Male - wer die "Linkspartei" in meiner Gegenwart "die Linke" nennt, fängt sich eine. Oder eher zwei. Eine links, eine rechts.

Donnerstag, Juli 16, 2009

Killerspiel-Verbot. Jetzt!

Einige Dinge sind zu groß, um sie unbesprochen in der Versenkung verschwinden zu lassen. Da Videospiele eine immer größere kulturelle Rolle zocken, geht es nun gerade um jene, spezifisch: ihre Gefährlichkeit.

Oh nö, ich meine nicht die Online-Petition gegen jenen debilen Gesetzentwurf, der die Grenzen der Zensur mit Siebenmeilenstiefeln überschreitet. Viel, viel schlimmer:

Christina Aguilera hat sich beim Spielen von Wii Sports Tennis verletzt.

Das darf so nicht weiter gehen. Die Zensurgesetze müssen entsprechend erweitert werden. Oder steh ich juristisch auf dem Schlauch, und der Passus "grausame[n] oder sonst unmenschliche[n] Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen" schließt die Verletzungen der Aguilera bereits mit ein? Irgendwo menschenähnlich ist sie ja.

Samstag, Juli 04, 2009

I3D: Warning.

Die Geschütze, welche von Überfremdungsbekämpfern gegen das Denglish aufgefahren werden, schießen scharf; zumindest ist dies in Zeiten des scheinbar ballastbefreiten Nationalismus die immer landläufigere Auffassung. Welcome, Ladies and Gentlemen, zum Internationalen Day des Denglish (I3D).

Dass der Verein e.V. von Widersprüchen nichts hören will, ist nicht neu. Beispielsweise steht unter Denglisch (sic!):
„Modern“ bedeutet das Gegenteil von „traditionell, überkommen, altbacken“. Gesprochene Sprache ist überkommene, tradierte Konvention. Vereinbarte Wörter bezeichnen Gegenstände oder Gedanken und werden nach sprachspezifisch tradierten Regeln zu Aussagen gefügt. Wer in seiner Sprache besser als nur flüchtig verstanden werden will, muss sich an deren Regeln halten. Schon deshalb kann sie nicht einfach nur dem neuesten Schrei gehorchen.
Die flüchtige Ausdruckskraft des Denglischen zehrt von der Missachtung und Verletzung tradierter sprachlicher Regeln und Bezeichnungen. Es ist eine (Anti-)Konvention zur Bezeichnung alles dessen, was uns per „neuestem Schrei“ überraschen soll, damit wir es als weltoffen, zeitgemäß, interessant – kurz: als modern und erwerbenswert fraglos anerkennen.

Nicht nur zwischen den Zeilen vertreten diese Saubermänner und -frauen, dass Sprache zur Verständigung, zum Verstehen da ist. No shit. Wie aber passen dann jene willkürlichen Sprachverdrehungen, welche durch die Aktion "Lebendiges Deutsch" vorgeschlagen werden, zur Verständlichkeit? Unabhängig davon, dass viele der vorgeschlagenen Alternativen den englischen Begriff noch nicht einmal ansatzweise umschreiben ("mainstream" mit "Mehrheitsmeinung" zu übersetzen ist bestenfalls in 1/3 der Kontexte korrekt), woher sollen Leute, die nicht dem Verein e.V. verschrieben sind, mit Begriffen wie "Denkrunde", "Sportwandern", "Schnellkost", "Zeitwahl" und vergleichbaren Sprachfürzen auf Anhieb etwas anfangen können?

Freitag, März 20, 2009

Hauptsache Sündenbock: "Killerspiele" und die einfache Antwort

Erneut ein Amoklauf in einer deutschen Schule, erneut die Suche nach den Ursachen, erneut der Fund von "Killerspielen" in der Wohnung des Läufers.

Ob Games ab 18 das Töten trainieren, motivieren, erleichtern, ist bis dato nicht schlüssig nachgewiesen. Wissenschaftliche Untersuchungen zum Thema belegen mal das eine, mal das andere, und sind oft genug methodisch schwammig. Trotzdem ist es leicht, die Schuld auf FSK 18-Spiele zu schieben, so wie weiland auf "Gewaltvideos" (und noch früher: Rock'n'Roll).

Nur selten werden in den Medien die naheliegenderen Schlüsse gezogen. Wie viele Teenager zocken am PC oder der Konsole? Und wie viele sind im Schützenverein? Da sprintet der Amokläufer lang.

Galeria Kaufhof macht derweil, was en vogue ist, und nimmt alles mit FSK 18 auf der Packung aus dem Programm - egal, ob Game oder Film. Schlimm genug, dass mit den Ängsten von Eltern Marketing betrieben wird: wer sich hier als erwachsene Person gegängelt fühlt, empfindet richtig. Mein Tipp: Bambi und Biene Maya auf der Blümchenwiese in Zukunft nicht mehr im Kaufhof erwerben.

Abschließend noch ein kostengünstiger Hinweis für den Handel: Spiele ab 18 nicht mehr an Minderjährige verkaufen. Dieser Ansatz, man glaubt es kaum, wäre noch einfacher zu bewerkstelligen als die Anpassung des Sortiments, ihr Dumpfbacken.

Aber lassen wir den drögen Kaufhof ruhig machen. Erwachsene Gamer mit Kreditkarte ordern ihre Games zur Zeit ohnehin in England - kostengünstig und garantiert ungeschnitten. Huzzah!


(PS: Das Stress-Exil dieses Blogs ist nach wie vor nicht geliftet.)

Sonntag, Februar 08, 2009

Härteste Zeiten: Auf Tuchfühlung mit der Krise

Als würde es nicht schon reichen, wenn alle Medien die Finanz- und/oder Wirtschaftskrise weiter groß reden, mittlerweile ist selbst das Schlawenzeln durch die Innenstadt in Gefahr, zum Anlaß für einen Heulkrampf zu werden.

Wenn die Leute fürchten, in Zukunft weniger Penunzen im Geldbeutel zu stemmen, sind im Allgemeinen Luxusgüter als erstes betroffen. Teure Teppiche zum Beispiel. Da ist es äußerst clever, wenn der Teppichhändler
a) unumwunden auf die schweren Zeiten aufmerksam macht
und
b) mit Sonderaktionen wirbt.

Das ließt sich dann beispielsweise so:
Investieren Sie in bleibende Werte. 50% auf alles!


Samstag, März 29, 2008

Von Wölfen und Windhunden - Neues vom Verein e.V.

Eine der Unannehmlichkeiten einer geregelten Arbeit (neben kaputtem Rücken und Sex mit den Chefs) ist das omnipräsente Radioprogramm. Beispiel WRD 2, welches uns letzten Freitag kurz vor Feierabend mit einem Interview zum Thema "Sauber Deutschsprech, Kruzifix!" (o.s.ä.) beglückte (im Gegensatz zu den Chefs, die hatten Migräne).

Interviewpartner war Wolf Schneider, Autor des angeblich ironisch betitelten Machwerks "Speak German!". Er ist, neben Walter Krämer und Josef Kraus, Mitbegründer der grenzdebilen Aktion "Lebendiges Deutsch", und damit Miterfinder des "Hingehers", der "Denkrunde", des "Glücktopfs", des "Netzplauderns" und weiterer babylonischer Worthülsen.

Schneider offerierte, wie man es erwarten konnte, Ersatzvokabeln für gängige englische Begriffe. Schenkelklopfbeispiel? "Software" sei durch "Betriebssystem" zu ersetzen. Ja, so wird die deutsche Sprach' nicht nur erfolgreich reanimiert, es zieht zugleich auch ein neuer Duft der Verständlichkeit mit ein (bitte nicht mit Verwesungsgeruch verwechseln). Anwendungsbeispiel: "Alter, halt die Fresse, da hab ich mir doch dieses Freie Ware Betriebssystem runtergeholt, nur zwoeinhalb Riesenbrocken, du Missgeburt."

Wo Schneider kein Prob mit hat, sind altehrwürdige Anglizismen wie Sport oder Sex (kennt der unsere Chefs?). Bravooo, du Geistesgröße - man stelle sich vor, der Verein e.V. wäre nicht erst 1997, sondern (willkürliches Beispiel) bereits 1933 gegründet worden, und Zeter und Mordio hätte auch jene Begriffe befallen.

Ladies and Gentlemen, die Aufwärmphase des diesjährigen Internationalen Day des Denglish hat begonne. Schließlich hat der Verein e.V. mittlerweile seine Gegenveranstaltung: den "Internationalen Tag der Muttersprache".

Warum nicht die Gelegenheit nutzen, und der Aktion "Living German" ein paar nette Vorschläge zum aktuell gesuchten Word of the Month ins Poesiealbum schreiben ... gesucht ist möglichst sinnentfremdendes Pseudodeutsch für "all you can eat". "Ess dich fett"? "Fressen bis zum Kotzen"? "Mehr zu Spachteln als jedes Dritteweltland"? Ich tippe, weil es so schön ins restliche Angebot der Action Sprekken Deutsch passt, auf "Schaufelweiseschlucken".

Dienstag, März 04, 2008

Manchmal kommen sie wieder.

Da mir leidlich bekannt ist, dass zahlreiche meiner Lesenden noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen sind (und RSS vermutlich für eine Abkürzung von "Rheinischer Sauberbraten Spezial" oder "Rusty Space Ship" oder "Reichs-SS" (im Gegensatz zur Waffen-SS?) halten), hier der kostenpflichtige Hinweise, dass die Battle of the Blogs 2007-Zweitplatz-Abrockerin Buttercup wieder bloggt. Und das auch noch aus China.

Sie bedankt sich für 5000 Schläge, huldigt den Rügenwalder Wurstprodukten, und zieht dann folgerichtig in den Krieg.

Zum Streichfleischabfall sei noch gesagt (und nicht kommentiert, damit die liebe Buttercup dies, dank kommunistisch geblocktem Blogger.com erst in einem halben Jahr als Willkommensblahblah zu lesen bekommt):
Rügenwalder, ob Mühle ("frisch auf den Tisch, so ist der Brauch") oder anders, ist eine eingetragene Marke ehemals in Rügenwalde ansässiger Wurstpanscher. Nur vertriebene Metzger aus eben diesem Kaff dürfen ihren Nahrungsmittelersatz so nennen. Zumindest ist das so bei der berüchtigten Teewurst, die ihren Namen trägt, weil bekloppte Pommeranzen zum Tee lieber diesen Fraß herunterwürgen als Gebäck.
Von daher ist die Vermutung, es handle sich bei den Rügenwalder Resteverwertern um den fleischigen Arm des Bund der Vertriebenen, nicht ganz falsch.
Allerdings, liebe Buttercup, ist das nicht der Vertriebenenverband, denn davon gibt es Legion, und der BdV ist nur das deutsche Dächle, aber das/den meintest du wohl, nicht?

Dienstag, Februar 26, 2008

Willkommen im SpOn-Kindergarten

Spiegel-Lesende wissen nicht nur "mehr", sondern können auch problemlos bis 10 zählen und das ABC singen. Das zumindest suggeriert die aktuelle Eigenwerbung:

Wer nicht fragt, liest weiter SpOn.

Montag, Januar 28, 2008

Viel Rauch um Raucherkrieg: Kollateralschäden und andere Propaganda

Will man sich als Intellektuellen outen, bleibt zukünftig bekanntlich nur noch der Griff zur Hornbrille, denn der Tabak bleibt unverarbeitet im Päckchen. Dem humorigen Spagat zwischen Legalität der hippen Partydroge und Verbot des öffentlichen Genusses zerreißt es mitunter die bremsspurbeschmutzte Unterhose, wie nun im allerortens diskutierten Fall Schmidt.

Für unsere jüngeren Lesenden sei kurz erwähnt, dass eben jener Helmut Schmidt weiland Karriere zunächst in der Wehrmacht (Offizier) und alsbald im Bundestag (zunächst folgerichtig: Verteidigungsminister, dann wie die Jungfrau zum Kinde: Kanzler) machte. Das ist beides schon verdammich lang her - so lange gar, dass da noch allerorten geraucht werden durfte.

Dieser selbstgepafften Galionsfigur der unterdrückten Tabakkonsumierenden drohte zwischenzeitlich eine Geldstrafe, weil sie (er) und Ehefrau Loki in einem Theater geraucht hatten, was eine Anzeige wegen Körperverletzung nach sich zog - von einem albernen Frettchen, das nicht mal zur gleichen Zeit im Theater saß. Dass Schmidt zum Heroen hochstilisiert wird, ist mithin angesichts dieses Äffchentheaters ein Witz, und zwar ein schlechter. Der selben Schnapsnase folgend müssten alle Autofahrenden ebenfalls wegen Körperverletzung aufgrund gesundheitsschädigender Ausdünstungen angezeigt werden.

Die Stimme aus dem Lokus, wie so oft in ihrer Rolle als Franzl-Jupp Wagner von derdiedas BILD, vermisst in diesem Krieg den Bezug zum lieben Gott:
Dienstagabend waren Sie zusammen mit Richard von Weizsäcker Gast bei Frau Maischberger. „Ich würde mich heute – nach Auschwitz und zwei Weltkriegen – nicht mehr auf Gott verlassen“, sagten Sie und zündeten sich eine Zigarette an. Das klang wie – GOTT EXISTIERT NICHT. Das klang wie – wenn Gott all dieses Grauen mit ansehen konnte und still geblieben ist, dann ist er kein Gott.
Zwar gibt er zu, der FJW, dass im Vergleich zu ihm ein gammliges Stück Brot umgehend mit allen Doktorehren auszustatten wäre ("Ich bin eine Million mal dümmer als Sie, lieber Altkanzler"), aber rechtfertigt das derartig eitrige Ergüsse?:
Es stimmt mich traurig, dass Sie großer Mann das Gute vergessen, die Guten, die Juden retteten, heilige Widerstandskämpfer, die sich opferten. War da nicht Gott im Spiel?
Die Zwerghirnigsten unter den Abergläubigen machen gerne und oft die gepfuschte Rechnung auf, dass alles Gute von Gott, alles Böse aber vom Menschen kommt: Gott spielt Carrera Bahn, und steuert mit sicherem Daumen noch die letzte Feuerwehrperson zwecks Kinderrettung durch die Flammen, respektive um jede Kurve - gehen beide drauf, hat einer von beiden auf die Bahn gepinkelt. Bestechende Logik. Aber etwas anderes kommt auch nicht dabei rum, wenn man diesem unendlichen und omnipotenten Allwissenden mit Liebe und Güte agieren wissen (glauben?) will. Doch ich schweife wie üblich ab (habe mich aber wenigstens erfolgreich davon abgehalten, auf die Mär des "guten Deutschen", die FJW mal wieder bemüht, auch nur einzugehen). Halten wir deshalb nur fest: Es gibt Atheisten in Schützengräben. Und nun bitte Kauleiste geschlossen halten, FJW.

Vielleicht, vielleicht sollte ich als rauchender Atheist ja doch ein T-Shirt mit dem Konterfeit des Altkanzlers überstreifen. Aber da ist wie üblich die Wehrmacht vor.

Anyway:

Mittwoch, Januar 09, 2008

Resident Beckstein

Populismus ist was feines, das weiß nicht nur Lafontaine. Beckstein weiß das auch, und will sich nun nicht von Koch die Butter vom Brot nehmen lassen, es geht schließlich um Sicherheit. Vor "Ausländern" zudem.

Da fällt mir nichts zu ein. Außer:

Freitag, Januar 04, 2008

Harms Way

Wer rastet, der rostet, so Goethe, Schiller und Lessing, also sei mir angesichts der knappen Übung in den letzten Wochen dieser billigste Namenswitz verziehen. Danke für Ihr Verständnis.

Worum es geht? Der Bundesgerichtshof hat die fast bundesweiten Razzien vorm kürzlichen G8-Gipfel für rechtswidrig erklärt. Verantwortlich für die illegalen Wohnungsdurchsuchungen ist Generalbundesanwältin Monika Harms. SpOn zeigt die Richtung vor:
Die Linke jubelt: Der Bundesgerichtshof hat die Razzien der Bundesanwaltschaft vor dem G-8-Gipfel für rechtswidrig erklärt. SPD und Union verteidigen Chefermittlerin Harms - dabei ist es schon ihre zweite schwere Niederlage vor Gericht im Kampf gegen militante Linke.

"Die Linke jubelt", Spiegel Online? "Die Linke"? Muss man wirklich Linker sein, um derartige ausschweifende Interpretation des Paragraphen § 129a StGB als (gelinde gesagt) problematisch zu erachten? Is' recht, scheiß doch der Hund drauf.

(Und überhaupt, SpOn: "G-8-Gipfel"? Wenn ihr schon drei mutmaßliche Online-VolontärInnen unbeaufsichtigt eure Site aktualisieren lasst, dann guckt doch wenigstens nachher mal drüber. Oder ist das eure persönliche Rechtschreibreform? Vielleicht setzt es sich ja durch.)

Desweiteren beobachtet man eine besondere Manöverübung auf dem Schlachtfeld der Parteipolitik:
Vertreter von SPD, Union und FDP begrüßten das Urteil als eine Stärkung des Rechtsstaats, verteidigten aber das damalige Vorgehen der Generalbundesanwaltschaft.

Die Razzien sind zwar illegal, waren aber notwendig - danke für diese offenen Worte. In freier Wildbahn wären solch schizophrenen Auswürfe ein Fall für die Geschlossene.

Konkret- und personalisiert liest sich das so:
Es habe "gute Gründe" für die Razzien gegeben, sagte der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz, SPIEGEL ONLINE. Beim Abfackeln von Autos handele es sich schließlich nicht um "Murmelspielen". Das Urteil des BGH sei daher "keine Ohrfeige für Harms". Wohl aber sei es eine Aufforderung, künftig bei der Strafverfolgung noch genauer hinzuschauen. Man solle froh sein, dass der Rechtsstaat zu Korrekturen fähig ist, sagte der SPD-Politiker.

Mit ähnlicher Argumentation könnte man jener Politikerkaste, die derlei halbgaren Meinungsbrei vor den Pöbel pfeffert, deftige Tritte an die Sabberleiste verpassen, um künftig diesen himmelschreienden Unfug zu unterbinden. Aber man muss ja nicht gleich auf das gleiche Niveau sinken.

Merken wir uns einfach: alles, was kein Murmelspielen ist, kann als Terrorismus angesehen werden.

Mittwoch, November 14, 2007

Der Preis der Merkel

Nun ist es raus: die Stadt Aachen buhlt wie üblich um Aufmerksamkeit, und die "Gesellschaft für die Verleihung des Internationalen Karlspreises zu Aachen" ist sich mal wieder nicht zu blöde, ein paar Gründe zu finden, warum gerade dieser oder jene Politikgröße die treibende Kraft hinterm vereinten Europa ist. Und nun trifft es (der "Internationalen Karlspreis von und zu Aachen") folgerichtig Merkel. Laut FAZ liegt das an ihrem "bahnbrechenden Beitrag zum europäischen Grundlagenvertrag". Investigativere Journalisten hätten das Blag beim Namen genannt: übersteigertes Geltungsbewußtsein einer alles in allem bedeutungslosen (wäre da nicht die Kneipendichte) und zu klein geratenen (wäre da nicht der Kreis Aachen) Provinzsiedlung.

Ich mein' ja nur.

Mittwoch, Oktober 10, 2007

Herman und Kerner: Geht doch.

Nun sind wir quitt. Vor wenigen Jahren, an jenem 11. September 2001, war ich es, der Serenity Highsmith auf das mediale Großereignis aufmerksam machte, bevor es zu spät für die Liveberichterstattung war. Heute, just eben, war sie es, die, eifrige Teletextleserin, die sie nun mal ist, bei Johannes Beh Kerner länger verweilte als üblich und angemessen. Denn der Teletext wußte zu vermelden, daß Kerner die Eva Herman aus der Sendung kicken wird (ein Hoch dem unspontanen Aufzeichnungslaber-TV).

Gut, hier werden Äpfel mit Granatbirnen verglichen, wie kann man da von "quitt" reden? Alldieweil beim Fall Herman noch nicht gar so viele Todesopfer zu verzeichnen sind (von manchen den Freitod gestorbenen Hirnzellen einmal abgesehen). Sei es drum und dran, ich schweife ab. Zurück zum Thema.

Herman zeigte sich wie zu erwarten war völlig uneinsichtig, und fühlt sich zu Unrecht in die "rechte Ecke" gestellt, aber das hatten wir ja schon. Müßte man ihr nicht erklären, daß sie mitnichten zur Nazi ernannt wurde, daß aber ihr Familienbild aus allen Poren braune Soße tropft (novahell erleuchtet durch ihre Bewunderung fürs NS-Frauenbild)? Müßte man nicht, und Kerner macht's auch nicht (die anderen Gäste jedoch schon - netter Versuch, doch Hermans Miene versteinerte dabei zusehends).

Statt dessen wird die Berufsehre des Talkers verfochten, denn Herman hatte zwecks Selbstverteidigung von "gleichgeschalteter Presse" gebrabbelt. Dies, so Kerner nebst geladenem Histöriker, ist Nazidiktion, und da solle sie doch gefälligst aufpassen, wo sie doch in dieser Hinsicht schon auffällig geworden ist.

Über den Wahrheitsgehalt dieser kruden Verschwörungstheorie (die einen tatsächlich zu beobachtenden Sachverhalt zu beschreiben versucht, nur leider völlig falsch - aber ich schweife schon wieder ab) brauchen wir uns nicht zu unterhalten, denn viel interessanter ist der Vorwurf seitens Kerner. Es ist ja nun nicht so, daß die Nazis die Weimarer Presse als "gleichgeschaltet" bezeichnet hätten - vielmehr war es ihr Begriff für die auf Linie gebrachte und "gesäuberte" deutsche Presse. Leider (für Kerner) benutzt Herman den Begriff aber nicht positiv.

Andererseits werden moderne Nazis nicht müde, der deutschen Presselandschaft genau dies ebenfalls vorzuwerfen. Nur das war weder von Kerner noch vom Historiker zu hören. So wirkte es alles in allem tatsächlich wie ein mißgelaunter Versuch, Herman in der "rechten Ecke" festzunageln, weil zumindest Kerner sich wohl von dieser Aussage provoziert fühlte.

Der Rauswurf jedenfalls war denkbar unspektakulär. Die anderen Gäste - Senta Berger, Margarethe Schreinemakers und irgendein Comediangesicht - wollten nur nicht länger neben der uneinsichtigen Herman sitzen. Kann man verstehen, und Kerner auch, der prompt Herman "entlassen" hat (bin nicht mehr 100%ig sicher, ob dies seine genaue Wortwahl war - wäre schön, wenn). Eine Sternstunde der deutschen TV-Geschichte. Und das ist so wahr wie traurig.

Donnerstag, Oktober 04, 2007

E for Elsässer

Dank des Schulblogs machte ich mich auf, um die elsässer'sche Schauart von "V for Vendetta" zu durchleuchten, sprich: zu googeln. Auf Platz 4: Studentengruppe :: Anti - Deutschen. In dieser "Studentengruppe", dem "Forum der Politischen Hochschulgruppe München", findet sich ein Artikel Elsässers aus der (was sonst) jW. Doch spannender als der Artikel sind die Kommentare der "Studentengruppe", bieten sie doch deutlichste Bewertungen der "Anti-Deutschen".

User RM1917, der Urheber des Beitrags, meint:
ich finde, dass die Anti-deutschen bürgerlich, pro imperialistische, rassistische Störömung sind, das macht sie nicht allein faschischtisch.
Das alleine nicht, nein. Daß es sich um eine "rassistische Störömung" handelt, ist aber schon schlimm genug, gelle?

Max schaut in die Zukunft, und rückt das schiefe Antideutschenbild von RM1917 zurecht:
Im nächsten industriellen Massenmord sind die Muslime dran und die Antideutschen Rassisten stehen jubelnd an vorderster Front...
Huzzah!
Von meinen Jubelarien einmal abgesehen empfehle ich Max einen Auffrischungskurs in Sachen NS. Auschwitz: wieder überall? Jedenfalls alle Achtung, so sehr muß man erst einmal die Jugoslawienkriegspropaganda verinnerlicht haben - der liebe Max wird sich wohl weiland gemeinsam mit Scharping die eine oder andere Träne rausgedrückt haben, als dieser Luftaufnahmen von (freilich vermeintlichen) KZs in die Höhe hielt.

DaRockwilda weiß folgerichtig zu berichten:
Antideutsche sind nicht besser als Antisemiten.
Die umgekehrte Antisemitismuskeule. Noch nicht mal ein guter Versuch. Mehr Glück beim nächsten Mal (daß in jenen Kreisen der Ausspruch "Antideutsche sind Antisemiten" nicht als Beleidigung aufzufassen wäre - geschenkt).

Den jungen, bayrischen Anti-Imps sollte mal erklärt werden, was Rassismus ist. Einen Abu Bakr Rieger beispielsweise kann man - auch ohne ihn in eine "Rasse" stecken zu wollen - ziemlich unappetitlich finden. Oder, in anderen Worten: Islam ist keine "Rasse", das behauptet noch nicht mal die NPD (und das sind die Experten).

Daß eine eingehende Beschäftigung mit dem Thema "Antisemitismus" bei diesen jenen mehr als überfällig ist (wären sie nicht so jung, müßte man sagen: 30 bis 40 Jahre zu spät), stellen sie offenkundig zur Schau.
Sie haben am Ende nur eines gelernt: den Antiamerikanismus (der sich hier in ihrem Haß auf die "amerikanischen Kollaborateure" entlädt). Und das auch noch: von ihren Eltern und Großeltern.

Dienstag, Oktober 02, 2007

Abu is back (2)

Das Video von Abu Bakr Rieger war verschwunden, ebenso wie das Fiasko, welches wieder aufgetaucht ist. Nachdem das alles nun Schnee von vor zwei Wochen ist, schaltet sich Spiegel Online ein: Extremismus: Islamratsmitglied hielt antisemitische Rede ("entdeckt" von Henry K. Duff und Planet Hop).

Da wird geheuchelt, was das Zeug hält. Rieger selber war nie Antisemit, und es sei ihm im Nachhinein auch nicht mehr klar, wie er sich zu solchen Äußerungen ("gemeinsamer Hauptfeind" der Nazis und des Islam, und die mangelnde Gründlichkeit der Nazis) hat hinreißen können. Für den Islamrat, dessen Mitglied Rieger ist, wäre ein einfaches "Sorry" genug.

Besondere Perle des Artikels:
In der Politik werden nun Konsequenzen für die Islamkonferenz der Bundesregierung gefordert: "Solange Herr Rieger noch beim Islamrat aktiv ist, darf die Organisation kein Dialogpartner sein", sagt Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach SPIEGEL ONLINE. Bosbach sieht den Fall Rieger als Beleg für die Richtigkeit seiner Vorsicht im Umgang mit islamischen Organisationen: "Alles, was dort öffentlich gesagt wird, ist nicht so aufschlussreich wie das, was intern gesagt wird."
Da hat Bosbach sicher recht, auch wenn dies nicht nur für den Islamrat gilt, sondern auch für andere politische Glaubensbündnisse. CDU und Hohmann, anyone?

Bedenken wir dies, wenn Schäuble wie folgt zitiert wird:
"Wenn ich aber von vorneherein jeden ausschließe, der nicht hundertprozentig auf dem Boden des Grundgesetzes steht, dann kann ich es gleich lassen."
Und das, Bosbach, ist immerhin ehrlich.

Montag, September 17, 2007

Das Abu Bakr Rieger Fiasko - "endlich" mit Untertiteln

Auf Planet Hop war kürzlich dieses gar amüsant-dramatische Video zu sehen, in welchem sich ein gewisser Abu Bakr Rieger, Herauswerfer der Islamischen Zeitung, gar mächtigst sein antisemitisches Coming Out feiert. Planet Hop zitiert die Geistesgröße in etwa so:
„Wie d Türke hend au mir Deidsche in dr Geschichde scho ofd für oi guade Sache kämbfd, obwohl i zugebe muss, dess moi Großvädr bei unserem gmoisame Haubdfoid nedd ganz gründlich ware.“

Nun werden sich manche fragen, ob Abu denn angesichts dieses Kauderwelschgeseiers auch vernünftig übersetzt wurde. Die Antwort: ja. Aber schauen Sie selbst:

(Direkter Link.)

P.S: Herzlichen Glückwunsch zum 500. Beitrag, Julius. (Danke.)

Montag, September 10, 2007

Veronica Mars versus ZDF, Teil 2

Ganz vergessen zu berichten hatte ich, was am vergangenem Freitag auf dem ZDF zum wiederholten Male nicht gesendet wurde: Veronica Mars.

Entgegen meiner Vermutung lag dies jedoch nicht am 10. Todestag von "Mutter Teresa", sondern am vorzeitigen Dahinscheiden des Ausnahmetenors Luciano Pavarotti.

Und das, ZDF, ist immerhin ein Argument, und war auch nicht vorhersehbar. Jedoch, mal unter uns: ist 0.15 Uhr wirklich die beste Zeit, um deinen verstorbenen Heroen zu gedenken?